EISENZEIT

WICHTIGER HINWEIS: Wegen Umbaumaßnahmen sind der der 1. Stock (Sammlungen Steinzeit und Metallzeiten), der 2. Stock (Sammlungen Antike, Römer, Alamannen, Frühes Mittelalter und Mittelalterliche Skulpturen) und der Kunstkammerturm geschlossen. ...mehr

Das Landesmuseum Württemberg besitzt mit seinen überaus reichen Funden aus der Hallstatt- und Latènekultur eine der bedeutendsten eisenzeitlichen Sammlungen Europas.
Die reich verzierte Grabkeramik der Hallstattkultur (800 bis 450 v. Chr.) gehört zu den schönsten Töpfereierzeugnissen der süddeutschen Vorgeschichte überhaupt. Mit dem „Krieger von Hirschlanden", den Funden von der „Heuneburg“ und dem „Fürstengrab“ von Hochdorf präsentiert das Museum die Highlights und Schlüsselfunde der älteren vorrömischen Eisenzeit Mitteleuropas schlechthin. Die bronzene Schnabelkanne aus dem Fürstengrabhügel „Kleinaspergle“ leitet den klassischen „Latènestil“ ein. Keltisch und fremdartig zugleich wirkt der Silberring von Trichtingen. Die hölzernen Tierfiguren aus der spätkeltischen Viereckschanze von Fellbach-Schmiden sind das Werk eines einheimischen Schnitzers, der sein Handwerk meisterlich verstand.



Goldhalsring

Goldhalsring aus dem „Fürstengrab“ von Hochdorf

Hallstattzeit, um 540 v. Chr.

Halsringe aus Goldblech kennzeichnen in der Zeit um 550 v. Chr. eine kleine Gruppe von herausragenden Grab- ausstattungen in Ostfrankreich, Südwestdeutschland und der Schweiz. Diese goldenen Halsreifen trugen entscheidend dazu bei, jenen Bestattungen schon im 19. Jahrhundert die Bezeichnung „Fürstengräber" zu verleihen. Sie konzentrieren sich auffallend in der Umbebung von frühkeltischen Zentralorten.

Krieger von Hirschlanden

„Krieger von Hirschlanden“

Hallstattzeit, 6. bis 5. Jh. v. Chr.

Der so genannte Krieger von Hirschlanden ist eine der ältesten vollplastischen Großskulpturen Mitteleuropas. Die unbekleidet dargestellte Figur wurde am Fuß eines Grabhügels gefunden. Der Hut, der Halsreif und der Dolch sind aus dem archäologischen Fundgut der späten Hallstattkultur bekannt und dürfen als Symbole von Macht und Rang gedeutet werden. Parallelen zu diesem, sicher einheimischen Stück, sind aus Oberitalien bekannt.

Bronzekanne

Bronzekanne aus dem Fürstengrab des „Kleinaspergle“

Frühe Latènezeit, um 450 v. Chr.

Die bronzene Schnabelkanne aus dem „Fürstengrab“ des Kleinaspergle ist die lokale Umsetzung eines etruskischen Vorbildes. Der Henkel endet in einer mit einer Maske verzierten Attasche, deren geschwungene Locken typische Merkmale frühkeltischer Kunst sind. Das fratzenhafte Gesicht, die stark hervortretenden großen Augen und die spitzen Ohren nehmen Elemente von mediterranen Satyrdarstellungen auf.

Hirschfigur

Hirschfigur aus Fellbach-Schmiden

Späte Latènezeit, 127 v. Chr.

Die Hirschfigur aus der Viereckschanze von Fellbach-Schmiden war zusammen mit zwei ebenfalls aus Eichenholz geschnitzten Ziegenböcken einst Teil eines größeren spätkeltischen Kultbildes. Die Figuren vereinen meisterlich keltische und hellenistische Stilelemente zu einem Kunstwerk von besonderer Ästhetik. Möglicherweise ist mit dem Hirschen der aus gallorömischer Zeit überlieferte Hirschgott „Cernunnos“ dargestellt.

Silberring

Silberring von Trichtingen

Latènezeit 4. bis 2. Jh. v. Chr.

Der prachtvolle Ring mit Stierkopfenden, der aus einem massiven Eisenkern mit Silberblechüberzug besteht, wurde zufällig bei Drainagearbeiten entdeckt. Herkunft und Datierung des einzigartigen Stückes sind bis heute umstritten. Der Stil weist nach Thrakien oder gar nach Persien. Mit einem Gewicht von über 6 kg war der Ring viel zu schwer, um von einem Menschen getragen zu werden. Vielleicht schmückte er stattdessen eine menschengestaltige Stele aus Holz.