Gläser der Neuzeit

Das Landesmuseum Württemberg verfügt über eine der bedeutendsten Glasssammlungen der Welt. In einem Gewölbekeller des Alten Schlosses in Stuttgart werden auf 470 Quadratmetern gläserne Kostbarkeiten von der Antike bis zum 19. Jahrhundert präsentiert.
Etwa zwei Drittel der neuzeitlichen Exponate entstammen der berühmten Glassammlung Ernesto Wolf. Alfred Wolf hatte in den zwanziger Jahren in Stuttgart begonnen, Glas zu sammeln. Nach dem Zweiten Weltkrieg baute sein Sohn Ernesto Wolf (1918–2003), ein gebürtiger Stuttgarter, die dank rechtzeitiger Emigration gerettete Sammlung seines Vaters systematisch aus. Sein untrüglicher Blick für Qualität ließ die Glassammlung Wolf zu einer Privatkollektion von Weltruf anwachsen. Die neuzeitlichen Gläser wurden 1991 vom Land Baden-Württemberg erworben. 1997/98 und 2003 folgten die Gläser der Antike.

Pokal

Pokal

Venedig, um 1500

Um 1500 entstanden in Venedig Luxusgläser von unerhörter Pracht. Der Pokal in der Farbe tiefblauer Saphire zeigt das Bestreben, mit Edelsteinen in Konkurrenz zu treten. Ein raffinierter Golddekor betont die Kostbarkeit des Materials, die erhabenen Punkte aus Email- farben wirken wie Steinbesatz.

Pokal aus Fadenglas

Pokal aus Fadenglas

Venedig, 2. Hälfte 16. Jh.

Fadenglas war eine besonders raffinierte Technik der venezianischen Glasmacher. Sein Reiz liegt im Wechsel zwischen weißer und farbloser Glasmasse. Der schlanke Pokal stammt aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Die vergoldete Silberfassung zeigt, wie hoch man Fadenglas schon damals schätzte.

Becher mit ziehenden Zigeunern

Becher mit ziehenden Zigeunern

bemalt von Johann Schaper, Nürnberg, um 1667–70

Zwei in bunten Transparentfarben bemalte Becher von der Hand des in Nürnberg ansässigen Malers Johann Schaper sind besondere Kostbarkeiten. Nur zehn solcher Gläser sind weltweit erhalten. Die in feinsten Farbnuancen abgestuften Flickengewänder auf dem Bettlerglas von etwa 1670 sind unübertroffen.

Pokal mit Flakondeckel

Pokal mit Flakondeckel

Weimar, 1729

Andreas Friedrich Sang war Hofglasschneider in Weimar. 1729 signierte er den überaus reich dekorierten Pokal auf dem Boden des Flakons, der als Deckel dient. Zu Recht war der Künstler besonders stolz auf sein gelungenes Werk, das bis heute zu den unübertroffenen Höhepunkten barocken Glasschnitts zählt.

Deckelpokal mit Wappen

Hochschnitt-Deckelpokal mit Wappen und Monogramm Augusts des Starken

Dresden, 1731

Der so genannte Augustus Rex-Pokal ist ein faszinierendes Beispiel für die schwierige Kunst des Glashochschnitts. Die Rechnung der Dresdner Glashütte für dieses außergewöhnliche Stück stammt vom 10. Dezember 1731. Sie nennt August den Starken, den sächsischen Kurfürsten und König von Polen, als Auftraggeber.