Provenienzforschung im Landesmuseum Württemberg

Verfolgungsbedingt entzogene Objekte in den Sammlungen des Landesmuseums Württemberg

Stand: Dezember 2011

„Ulmer Schwanenglas“

„Ulmer Schwanenglas“


Vivatglas der Schwanenwirtin, Ulm, um 1703. Glas, Goldschmiedearbeit, Inv.Nr.: WLM 1935-230.

Das Objekt wurde vom Landesmuseum Württemberg auf einer Auktion bei Hugo Helbing, Frankfurt, am 3./4.12.1935 angekauft. Das Glas war zum Schätzpreis von 1.200 RM angeboten worden und wurde für 920 RM erworben. Im Auktionskatalog wird das Schwanenglas unter der Lotnr. 279 aufgeführt; Einlieferer war Prof. Julius Lehmann (1884-1951), ein angesehener Jurist in Frankfurt. Prof. Dr. jur. Julius Lehmann hatte dieses Glas 1928 bei der Auflösung der Sammlung Hohenzollern-Sigmaringen für 4.000 RM erworben. Wegen seiner jüdischen Herkunft musste er 1933 Frankfurt verlassen und in die Schweiz emigrieren. Offensichtlich hinterließ er dieses Glas 1933 bei dem Frankfurter Auktionshaus Hugo Helbing, das es 1935 in einer Auktion anbot.


Plastik "Johannes der Täufer"

Plastik "Johannes der Täufer"


Lindenholz, gefasst, übermalt, Bayerisch Schwaben, um 1510, Höhe 140cm, Inv.Nr.: WLM 1986-81.

Die Plastik wurde 1986 vom Landesmuseum Württemberg über den Handel erworben. Sie befand sich ursprünglich im Eigentum der Firma "Altkunst GmbH", gegründet 1917 mit Sitz in Berlin. Geschäftsführer der Firma "Altkunst GmbH" waren Jacob und Rosa Oppenheimer. Wegen ihrer jüdischen Herkunft wurde das Ehepaar bereits ab 1933 verfolgt. Sie erhielten Berufsverbot, mußten die Firma "Altkunst" schließen und das gesamte Warenlager in mehreren Auktionen in Berlin verschleudern. 1933 emigrierte das Ehepaar. Jacob Oppenheimer starb 1941 im Exil in Nizza. Rosa Oppenheimer, geborene Silberstein, wurde im französischen Lager Drancy interniert, 1943 nach Ausschwitz deportiert und im selben Jahr dort ermordet.

Die Plastik "Johannes der Täufer" wurde bei einer Versteigerung der Restbestände der Firma "Altkunst" am 30.09.1939 bei dem Auktionator Dr. Walther Achenbach in Berlin verkauft. Über mehrere Kunsthändler gelangte die Plastik spätestens 1955 in Schweizer Privatbesitz und blieb dort bis 1985.

Die Erben nach Jacob und Rosa Oppenheimer bzw. deren Anwältin wurden vom Landesmuseum Württemberg kontaktiert und über den Sachstand informiert. Die Plastik wurde am 13.10.2011 an die Erben restituiert.


Silberpokal

Silberpokal


Biberach, Hans Jakob Schönfeld, 4. Viertel des 16. Jhdt., Silber vergoldet, Höhe: 17,1 cm, Durchmesser: 7,5 cm,
Inv.Nr.: WLM 1951/2.

Der Silberpokal stammte ursprünglich aus der Sammlung von Joseph Pinkus, Neustadt (heute Prudnik) in Oberschlesien/ heute Polen. Joseph Pinkus (1829-1909) vermachte seine umfangreiche Silbersammlung seiner Tochter Hedwig Pinkus, die 1883 den Bakteriologen und Nobelpreisträger Paul Ehrlich heiratete und mit ihm nach Frankfurt zog. Ihre Silber-sammlung deponierte sie in der Dresdner Bank in Frankfurt. Nach ihrer Emigration in die Schweiz 1939 wurde ihre Silbersammlung im Zuge der Zwangsabgabe von Edelmetallen für Juden von der Städtischen Darlehensanstalt in Frankfurt beschlagnahmt und verwertet. Der Pokal wurde von dem Kunsthändler Walter Hauth (Frankfurt/ Stuttgart) erworben und 1951 an das Landesmuseum Württemberg für 700 DM verkauft.

Akeleybecher der Metzgerzunft zu Esslingen

Akeleybecher der Metzgerzunft zu Esslingen


Silber, vergoldet, Ulm, Meister K. 1655, Höhe ohne Deckel 21cm, mit Deckel 31cm, Inv.Nr.: WLM 1933-668.

Der Silberbecher stammt aus dem Eigentum von Morton Bernath, der seit 1928 Besitzer der Kunst-handlung  „Antiquitätengeschäft im Prinzenbau“ in Stuttgart war. Am 1.4.1933 wurde sein Geschäft boykottiert, am nächsten Tag der Mietvertrag vom Staatsrentamt gekündigt. Bernath musste sein Geschäft im April 1933 schließen und sein Warenlager unter Wert verkaufen. Das Landesmuseum Württemberg erwarb den Silberbecher im März 1934 von Morton Bernath.

Messingdose

Messingdose


Oval, innen verzinnt, Deutsch, 19. Jhdt. 1. Hälfte, Höhe 7,5cm, Inv.Nr.: LGA 901.

Die Messingdose wurde bei dem Auktionator Otto Greiner, Stuttgart, auf einer Auktion am 1.10.1936 (Lot 299) angeboten und dort vom Landesgewerbemuseum für 8 RM erworben. Einlieferin dieses Stückes war die Witwe Hedwig Neuhäuser, * 05.03.1881 in Bad Cannstatt, geborene Reis, jüdischer Herkunft. Hedwig Neuhäuser wurde am 22.8.1942 nach Theresienstadt deportiert, von dort am 16.5.1944 nach Auschwitz. Sie wurde durch Beschluss des Amtsgerichtes Stuttgart vom 21.5.1954 für tot erklärt.

Ein Stolperstein als Zeichen der Wiedergutmachung
Das Landesmuseum hat einen Stolperstein für Hedwig Neuhäuser gestiftet. Dieser wurde am 23.11.2011 in der Rosenbergstraße 149 in Stuttgart verlegt.

Bilder der Verlegung auf Flickr

Kohlenbecken

Kohlenbecken


Süddeutsch, 1770, achtseitig, Messingblech getrieben, gepunzt und graviert, Höhe: 15,4 cm, Durchmesser: 21 cm, Inv.Nr.: LGA 900.

Das Kohlenbecken wurde bei dem Auktionator Otto Greiner, Stuttgart, auf einer Auktion am 1.10.1936 (Lot 300) angeboten und dort vom Landesgewerbemuseum für 10 RM erworben. Einlieferin dieses Stückes war die Witwe Hedwig Neuhäuser, * 05.03.1881 in Bad Cannstatt, geborene Reis, jüdischer Herkunft. Hedwig Neuhäuser wurde am 22.8.1942 nach Theresienstadt deportiert, von dort am 16.5.1944 nach Auschwitz. Sie wurde durch Beschluss des Amtsgerichtes Stuttgart vom 21.5.1954 für tot erklärt.

Ein Stolperstein als Zeichen der Wiedergutmachung
Das Landesmuseum hat einen Stolperstein für Hedwig Neuhäuser gestiftet. Dieser wurde am 23.11.2011 in der Rosenbergstraße 149 in Stuttgart verlegt.

Bilder der Verlegung auf Flickr


Salzbehälter

Salzbehälter


Stuttgart, um 1800, eingraviert: F.O. in Schreibschrift, vermutlich Gravur des Eigentümers, Silber getrieben, Höhe: 5,8 cm, Länge: 9,4 cm, Breite: 4,6 cm, Inv.Nr.: LGA 2436a.

Dieses Silbergefäß wurde 1939 im Zuge der Zwangsabgabe von Edelmetallen für Juden der Städtischen Pfandleihe Stuttgart übergeben und von dieser ca. 1939 an das Landesgewerbe-museum Stuttgart verkauft oder überwiesen. 1968 wurde das Gefäß dem Württembergischen Landesmuseum übergeben.

Dukat, Schwäbisch Hall, 1777

Dukat


Schwäbisch Hall, 1777, Gold, Durchmesser: 22 mm, Gewicht: 3,47 g, Inv.Nr.: MK 14354.

Die Münze wurde im Zuge der Zwangsabgabe von Edelmetallen für Juden der Städtischen Pfandleihe Berlin (Abteilung III – Zentralstelle aus jüdischem Besitz) 1939/1940 übergeben und von dieser 1940 an das Württembergische Landesmuseum für 25 RM verkauft.

Medaille, 1838, Gold

Medaille


Übungslager des bayerischen Heeres vor der Stadt Augsburg, 1838, Gold, Durchmesser: 40,7 mm, Gewicht: 31,36 g, Inv.Nr.: MK 14353.

Die Medaille wurde im Zuge der Zwangsabgabe von Edelmetallen für Juden der Städtischen Pfandleihe Berlin (Abteilung III – Zentralstelle aus jüdischem Besitz) 1939/1940 übergeben und von dieser 1940 an das Württembergische Landesmuseum für 140 RM verkauft.

Goldene Herren-Taschenuhr

Goldene Herren-Taschenuhr


Sehr dünn, Deutsch, 2. Hälfte 19. Jhdt., Gold, Durchmesser: 4 cm, Inv.Nr.: LGA 2896, neue Inv.Nr.: WLM 1968-151.

Die Uhr wurde im Zuge der Zwangsabgabe von Edelmetallen für Juden der Städtischen Pfandleihe Stuttgart übergeben und von dieser am 26.3.1941 an das Landesgewerbemuseum Stuttgart für 50 RM verkauft. 1968 wurde die Uhr dem Württembergischen Landesmuseum übergeben.

Goldene Herren-Taschenuhr

Goldene Herren-Taschenuhr


Mit Schlagwerk und Repetition, Gold, guillochiert, Deutsch, Mitte 19. Jhdt., LGA 2895, neue Inventarnummer WLM 1968/173.

Die Uhr wurde im Zuge der Zwangsabgabe von Edelmetallen für Juden der Städtischen Pfandleihe Stuttgart übergeben und von dieser am 26.3.1941 an das Landesgewerbemuseum Stuttgart für 50 RM verkauft. 1968 wurde die Uhr dem Württembergischen Landesmuseum übergeben.

Zweitüriger Schrank


Ulm, um 1650, Höhe: 205 cm, Breite: 167 cm, Tiefe: 71 cm, Inv.Nr.: LGA 2997.

Der Schrank stammt aus dem Eigentum der Luise Schnurmann, Hechingen, jüdischer Herkunft. Er wurde durch Vermittlung der „Reichskammer der bildenden Künste“, Berlin, am 13.03.1942 an das Landesgewerbemuseum für 320 Reichsmark verkauft. Die „Reichskammer der bildenden Künste“ unterstand dem damaligen Propagandaminister Josef Goebbels. Die Witwe Luise Schnurmann, *3.3.1874 in Hechingen, geborene Löwenthal, wurde am 19.8.1942 im Alter von 67 Jahren von Hechingen nach Theresienstadt deportiert, wo sie am 12.3.1943 ermordet wurde. 1968 gelangte dieser Schrank in das Württembergische Landesmuseum.

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