Vivatglas der Schwanenwirtin, Ulm, um 1703. Glas, Goldschmiedearbeit, Inv.Nr.: WLM 1935-230.
Das Objekt wurde vom Landesmuseum Württemberg auf einer Auktion bei Hugo Helbing, Frankfurt, am 3./4.12.1935 angekauft. Das Glas war zum Schätzpreis von 1.200 RM angeboten worden und wurde für 920 RM erworben. Im Auktionskatalog wird das Schwanenglas unter der Lotnr. 279 aufgeführt; Einlieferer war Prof. Julius Lehmann (1884-1951), ein angesehener Jurist in Frankfurt. Prof. Dr. jur. Julius Lehmann hatte dieses Glas 1928 bei der Auflösung der Sammlung Hohenzollern-Sigmaringen für 4.000 RM erworben. Wegen seiner jüdischen Herkunft musste er 1933 Frankfurt verlassen und in die Schweiz emigrieren. Offensichtlich hinterließ er dieses Glas 1933 bei dem Frankfurter Auktionshaus Hugo Helbing, das es 1935 in einer Auktion anbot.
Die Plastik wurde 1986 vom Landesmuseum Württemberg über den Handel erworben. Sie befand sich ursprünglich im Eigentum der Firma "Altkunst GmbH", gegründet 1917 mit Sitz in Berlin. Geschäftsführer der Firma "Altkunst GmbH" waren Jacob und Rosa Oppenheimer. Wegen ihrer jüdischen Herkunft wurde das Ehepaar bereits ab 1933 verfolgt. Sie erhielten Berufsverbot, mußten die Firma "Altkunst" schließen und das gesamte Warenlager in mehreren Auktionen in Berlin verschleudern. 1933 emigrierte das Ehepaar. Jacob Oppenheimer starb 1941 im Exil in Nizza. Rosa Oppenheimer, geborene Silberstein, wurde im französischen Lager Drancy interniert, 1943 nach Ausschwitz deportiert und im selben Jahr dort ermordet.
Die Plastik "Johannes der Täufer" wurde bei einer Versteigerung der Restbestände der Firma "Altkunst" am 30.09.1939 bei dem Auktionator Dr. Walther Achenbach in Berlin verkauft. Über mehrere Kunsthändler gelangte die Plastik spätestens 1955 in Schweizer Privatbesitz und blieb dort bis 1985.
Die Erben nach Jacob und Rosa Oppenheimer bzw. deren Anwältin wurden vom Landesmuseum Württemberg kontaktiert und über den Sachstand informiert. Die Plastik wurde am 13.10.2011 an die Erben restituiert.
Das Kohlenbecken wurde bei dem Auktionator Otto Greiner, Stuttgart, auf einer Auktion am 1.10.1936 (Lot 300) angeboten und dort vom Landesgewerbemuseum für 10 RM erworben. Einlieferin dieses Stückes war die Witwe Hedwig Neuhäuser, * 05.03.1881 in Bad Cannstatt, geborene Reis, jüdischer Herkunft. Hedwig Neuhäuser wurde am 22.8.1942 nach Theresienstadt deportiert, von dort am 16.5.1944 nach Auschwitz. Sie wurde durch Beschluss des Amtsgerichtes Stuttgart vom 21.5.1954 für tot erklärt.
Ein Stolperstein als Zeichen der Wiedergutmachung
Das Landesmuseum hat einen Stolperstein für Hedwig Neuhäuser gestiftet. Dieser wurde am 23.11.2011 in der Rosenbergstraße 149 in Stuttgart verlegt.
Bilder der Verlegung auf Flickr