Wohnkultur

Wohnen tut jeder – irgendwie: ob im reich dekorierten Kinderzimmerparadies, zur möblierten Untermiete oder in Wohnlandschaften des Homing-Zeitalters. In der Möblierung von Lebensräumen drücken sich herrschender Geschmack und persönliche Vorlieben aus, gesellschaftliches Selbstverständnis aber auch finanzielle Möglichkeiten – vor dem Hintergrundrauschen des allgemeinen Wandels von Gesellschaft, Wirtschaft und Technik.
Bemalte Möbel des 18. und 19. Jahrhunderts finden ihr Gegenüber in industriell gefertigten Möbeln und Wohnaccessoires unserer Tage. In den alten Möbeln spiegeln sich  noch Kulturlandschaften, in authentischen Wohnensembles so etwas wie „wirkliches Leben“. Wärme und Licht werden als basale Lebensbedürfnisse vorgestellt, dekorativer Wandschmuck und Nippes als mehr denn Ausdruck kulturindustrieller Verwertungsinteressen.

Rösslerschrank

Schrank

Detail eines Kleiderschrankes, Untermünkheim, 1848

Bemalte Möbel als „Bauernmöbel“ zu bezeichnen, führt in die Irre, denn solche gab es auch in gehobenen Schichten. Eigenwilligkeit im Dekor jenseits von aktuellen Moden sind das Zeichen von Möbeln, die nicht in den städtischen Zentren entstanden, sondern in den Werkstätten von Landschreinern, wie z.B. aus jener der Rösslers in Untermünkheim.

Warme Stube

Warme Stube

Kastenofen, Ofenwandplättchen, Lehnstuhl, Wiege, Hochsitz und Ofenbank

Da die Stube häufig bis ins 20. Jahrhundert der einzige beheizbare Raum des ländlichen Wohnhauses war, spielte sich dort nicht nur müßiges Miteinander der bäuerlichen Familie ab, sondern auch ein Teil des Arbeitslebens: Es wurde Werkzeug repariert, Kleidung genäht, Wäsche getrocknet, Backwerk vorbereitet – und Federvieh aufgezogen.

Wohnstube

Wohnstube

Siegelsbach, 19. bis 20. Jahrhundert

Für Viele sind auch heute Wohneinrichtungen ‚à la mode’ ein unerfüllbarer Traum. Für ganz übliche, nämlich gar nicht stilreine Wohnformen steht die Einrichtung der Familie Gayer, in der sich zum geerbten Biedermeier-Sekretär ein gebraucht gekaufter Jugendstil-Ofen und ein kunststoffbezogenes Ecksofa aus dem Versandhandel gesellen.

Schlafzimmerbild

Schlafzimmerbild

Chromolithographie

Der Wunsch nach und der Anspruch auf Teilhabe an so etwas wie bürgerlicher Kultur drückt sich zum Ende des 19. Jahrhunderts vehement in der Dekoration des trauten Heimes aus. Für repräsentativen Wandschmuck sorgten starkfarbige „Öldrucke“ im Goldrahmen, die von großen Lithografie-Anstalten zu günstigen Preisen auf den Markt gebracht wurden.