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Keramikmuseum

Keramikmuseum

Geschichte der Keramik im Schloss Ludwigsburg

Das Keramikmuseum in Schloss Ludwigsburg wurde 2004 als Zweigmuseum des Landesmuseums Württemberg eröffnet. Mit rund 4.500 Exponaten auf etwa 2.000 Quadratmetern zählt es zu den größten seiner Art in Europa. Die Exponate aus Irdenware, Steinzeug, Majolika, Fayence, Porzellan und Steingut vermitteln die Geschichte der Keramik vom Mittelalter bis zur Gegenwart.

Thematischer Schwerpunkt ist die europäische Porzellankunst. Neben qualitätvollen Stücken aus Meißen, Wien und anderen bedeutenden Manufakturen setzt der weltweit größte Bestand an Ludwigsburger Porzellan einen starken landesgeschichtlichen Akzent. Von internationalem Rang ist auch Herzog Carl Eugens Sammlung italienischer Majolika. Die umfangreiche Sammlung von Unikat-Keramik seit 1950 spiegelt das Kunstschaffen in sechs europäischen Ländern wider.

Eine Dokumentation zu keramischen Techniken und eine professionell ausgestattete Werkstatt für Aktionen junger Keramikkünstler runden das Angebot ab.

Atelier im Schloss Ludwigsburg

Kenji Fuchiwaki - Keramiker
www.kfunf.com


Ausgewählte Objekte

Kaffeetrinkerin

Kaffeetrinkerin

Porzellanmanufaktur Ludwigsburg
um 1766–68
Modell von Johann Christian Wilhelm Beyer

Die Kaffeetrinkerin gehört zu den besten Modellen, die der württembergische Hofbildhauer Johann Christian Wilhelm Beyer für die Ludwigsburger Porzellanmanufaktur geschaffen hat. Mit übereinander geschlagenen Beinen sitzt sie an einem runden Tischchen und ist im Begriff, sich Kaffee einzuschenken. Die komplett vergoldete Kaffeekanne gibt ein Gefäß aus Edelmetall wieder, weshalb die Kaffeetrinkerin den Kannenhenkel auch nicht mit der bloßen Hand ergreift. Um sich am heißen Silber nicht zu verbrennen, nimmt sie beim Einschenken ein Tuch zu Hilfe.

Beyers Kaffeetrinkerin führt uns einen der Gründe für die beispiellose Karriere des Porzellans in Europa vor Augen: Als schlechter Wärmeleiter war das neue Material für die heißen Modegetränke des 18. Jahrhunderts – Tee, Kaffee und Schokolade –vorzüglich geeignet.


Deckelterrine in Gestalt eines Truthahns

Deckelterrine in Gestalt eines Truthahns

Fayencemanufaktur Höchst
zwischen 1748 und 1753

Der balzende Truthahn wirkt wie eine Tierplastik. Erst auf den zweiten Blick erkennt man seine Funktion als Terrine, deren oberen Teil man als Deckel abnehmen kann. Das eindrucksvolle Fayencegefäß samt Untersetzplatte stammt aus der kurmainzischen Manufaktur Höchst. Dort wurde es von einem in Meißen geschulten Künstler modelliert und nach dem Brand von Johannes Zeschinger mit Muffelfarbennaturalistisch bemalt.

Die Fayencekunst stand um die Mitte des 18. Jahrhunderts in ihrer Blüte und konnte mit dem noch sehr teuren Porzellan durchaus konkurrieren. Getreu nach der Natur gebildete Gefäße wie diese Truthahnterrine behaupteten sich auf der luxuriösen Tafel neben höchst artifiziellen und verspielten Rokokogeschirren.