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Modemuseum

Modemuseum im Schloss Ludwigsburg

Modemuseum

Kostümsammlung im Schloss Ludwigsburg

Seit 2004 zeigt das Landesmuseum Württemberg Teile seiner Kostümsammlung im Festinbau von Schloss Ludwigsburg. Zu sehen ist europäische Kleidung der Zeit zwischen 1750 und 1970 – etwa 700 originale Kostüme und Accessoires für Damen, Herren und Kinder. Sie veranschaulichen die vielfältigen Erscheinungen der Mode vor dem Hintergrund gesellschaftlicher, politischer und technischer Entwicklungen.

Schwerpunkte des chronologisch und thematisch gegliederten Rundgangs bilden die höfischen Roben des Ancien Régime und die Kleidung der Empirezeit. Die jüngere Vergangenheit vertreten Kreationen von Modedesignern wie Worth, Poiret, Dior oder Miyake. Eigene Bereiche sind den Kleidungsstücken und Hilfsmitteln gewidmet, mit denen die Körper dem Ideal der jeweils gültigen Modesilhouette näher gebracht wurden.

Zur Information stehen mehrsprachige Audioguides mit verschiedenen Programmen zur Verfügung. Filme von Modeschauen und Bildschirmstationen mit kommentierten Modedarstellungen ergänzen die Präsentation.


Ausgewählte Objekte

Hausmantel

Hausmantel

aus dem Besitz der Markgrafen von Baden
um 1735/40
Seide (Lampas), lanciert, broschiert
Erworben aus Mitteln der Museumsstiftung Baden-Württemberg

Die Hauskleidung für den Herrn des 18. Jahrhunderts lässt sich in gewisser Weise mit der heutigen Freizeitkleidung vergleichen: Auch sie erlaubte modische Extravaganzen, die in der höfischen Galakleidung so nicht möglich waren. Die Vorliebe für alles Fremdländische konnte hier freier ausgelebt werden. So geht der gerade Schnitt des luxuriösen Hausmantels auf japanische Kimonos zurück und das großformatige Muster des verarbeiteten Seidengewebes wird von exotischen Blumen- und Früchtebouquets bestimmt.

In Mänteln dieser Art war der „Mann von Stand“ auch im privaten Leben repräsentativ gekleidet. Er empfing im Hausmantel seine Besucher und hat sich in dieser modischen Gewandung auch gern porträtieren lassen.


Unterkleid mit zugehöriger Chemise

Empiremode

Unterkleid mit zugehöriger Chemise
wohl Frankreich, um 1807
Unterkleid: Seidenpongé
Chemise: Baumwollmusselin, Weißstickerei

Aus weißer Baumwolle gefertigte Kleider mit sehr hoher Taillierung bestimmten die an der Antike orientierte Mode der Empirezeit. Die Stoffe dieser sogenannten Chemisen waren nicht nur sehr dünn, sie waren auch durchsichtig. Scheint es daher nicht verständlich, dass Zeitgenossen von der „Nackten Mode“ sprachen?

Dass die Damen der Zeit um 1800 aber doch züchtig waren und dass sie nur scheinbar die guten Sitten verletzten, zeigt dieses Ensemble. Zu einer weißen Chemise hat sich nämlich das zugehörige Unterkleid erhalten, was als große Seltenheit gelten kann. Und dieses ist aus hautfarbener Seide gefertigt – wodurch sich erklärt, wie es zu der gern kolportierten Fehleinschätzung kommen konnte.


Promenadenkleid mit zugehörigem Hütchen

Promenadenkleid mit zugehörigem Hütchen

wohl England, um 1867
Seide (Moiré, Atlas, Taft), Fransenborte

Für diese prunkvolle Robe aus schwerem, schillerndem Seidenmoiré hat man sich neuester Erfindungen bedient: Das kräftig leuchtende Blau wurde durch synthetische Farbstoffe erzielt, die in dieser Zeit entdeckt worden waren, für die Verarbeitung des auf einem mechanischen Webstuhl hergestellten Stoffes kam eine der frühen Nähmaschinen zum Einsatz und selbst die Krinoline aus dünnen Stahlreifen, die den raumgreifenden Rock in Form hielt, war eine Errungenschaft des Industriezeitalters.

In der Keilform des nachschleppenden Rockes kündigt sich schon die Silhouette der folgenden Jahre an, in denen die künstliche Betonung des Gesäßes zu einem Leitmotiv der Damenmode werden sollte.


Lederjacke eines Punks

Lederjacke eines Punks

deutsch, um 2001
Rindsleder, teilweise bemalt, mit Nieten, Feuerzeugteilen und Mercedesstern verziert, Reißverschlüsse, Metallschnalle

Die Lederjacke ist von einem 1987 in Schwäbisch Hall geborenen Jugendlichen mit Aufschriften, Nieten, Feuerzeugteilen und Mercedesstern zu einem Punkoutfit aufgerüstet worden. Was von dem Schüler noch als Ausdruck einer Gegenkultur gedacht war, hatte zu dieser Zeit über Modedesigner längst Eingang in die bürgerliche Freizeitkleidung gefunden.

Die Jacke, die zusammen mit weiteren aus Leder, Fellen oder Federn gefertigten Kleidungsstücken und Accessoires zu sehen ist,  vertritt einen Aspekt der mit diesen „tierischen Hüllen“ verbundenen Symbolik. Stellen sich bei einem Cape aus weißen Schwanendaunen Assoziationen von Luxus und femininer Zartheit ein, so herrschen hier Härte, Kraft und  Aggressivität.