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Skulpturensammlung Dursch

Skulpturensammlung Dursch

Schwäbische Plastik im Dominikanermuseum Rottweil

Die Sammlung des Rottweiler Stadtpfarrers und Dekans Johann Georg Martin Dursch, die dieser ab 1838 zusammentrug, umfasst etwa 130 Skulpturen des 14. bis 16. Jahrhunderts. 1850 wäre die Sammlung fast aufgelöst und in alle Winde zerstreut worden. Doch dann kaufte sie  König Wilhelm I. von Württemberg, um sie der Stadt Rottweil zum Geschenk zu machen.

Die Sammlung Dursch ist das bedeutendste Ensemble schwäbischer Plastik neben der Sammlung zur Sakralen Kunst des Mittelalters im Landesmuseum Württemberg und sie ist eine der bedeutenden Prälatensammlungen des 19. Jahrhunderts. Dekan Dursch hat seine Sammlung nicht nur nach künstlerischen Gesichtspunkten zusammengetragen. Darauf nimmt die Präsentation der Sammlung Bezug, die nicht nur chronologisch, sondern auch thematisch gegliedert ist.


Ausgewählte Objekte

Thronende Muttergottes aus Geislingen-Binsdorf

Thronende Muttergottes aus Geislingen-Binsdorf

Michel Erhart, um 1490 Im Laufe des Mittelalters wandelten sich die Mariendarstellungen von der unnahbaren Himmelskönigin zur fürsorglichen Mutter. Maria blickt liebevoll auf das Christuskind, das ganz selbstvergessen mit den Münzen in der Schale spielt.

Die Madonna stammt aus einem Altarschrein und dürfte zu einer Anbetung der Heiligen Drei Könige gehört haben, worauf das Gefäß in ihrer Hand hindeutet. Ursprünglich war die 90 Zentimeter hohe Figur aus Lindenholz farbig gefasst. Einige der Perlen am Ausschnitt und die Schale in ihrer Hand wurden zu einer späteren Zeit ergänzt. Die hohe Qualität, ihre feine Ausarbeitung und anmutige Gestalt weisen die Skulptur als eigenhändige Arbeit von Michel Erhart aus.


Heilige Maria Magdalena und Heilige Barbara

Heilige Maria Magdalena und Heilige Barbara

Hans Multscher, um 1450

Hans Multscher war Steinbildhauer und Bildschnitzer, Tafelmaler und Faßmaler, Kunstschreiner und Modelleur zugleich. In seiner Werkstatt arbeiteten eine ganze Reihe an Bildhauern und Malern. Er gab der Bildschnitzkunst und Altarbaukunst entscheidende Anstöße, sein Einfluss reichte bis nach Südtirol.

Was die Zeitgenossen Multschers an seinen Werken fasziniert haben mag, lässt sich an dem Rottweiler Figurenpaar gut nachvollziehen: Der Bildhauer vermag zwei ganz unterschiedliche Charaktere vorzustellen: Maria Magdalena, zeigt er mit einem Tuch über den Haaren; gleichwohl gibt der Schleier, sonst Kennzeichen der verheirateten Frau, der vormaligen Sünderin eher etwas Kokettes als dass er etwas von ihrer Schönheit verhüllt. Dazu passt auch die Spannung zwischen den niedergeschlagenen Lidern und dem unverhohlenen Lächeln, mit dem sie zur Seite, zu Barbara hinüberschaut. Diese wirkt eher brav mit ihrem fein gekämmten Haar, dem runden Gesicht und der fast ein wenig dicken Nase.


Schutzmantelmadonna aus Dietlingen-Gößlingen

Schutzmantelmadonna aus Dietlingen-Gößlingen

Oberschwäbischer Meister, um 1430

Der Typus der Schutzmantelmadonna taucht im 14. Jahrhundert erstmals auf. Entwickelt hat sich diese Bildform aus einem alten Rechtsbrauch: breitete eine hohe Dame über einen um Asyl Bittenden ihren Mantel aus, stand er unter ihrem persönlichen Schutz. Die ältesten erhaltenen Darstellungen zeigen Maria als verklärte Königin, nicht als Mutter. Erst später wird sie auch mit dem Jesuskind auf dem Arm abgebildet.

In dieser Figurengruppe hat die Muttergottes acht junge Männer unter ihren Schutz gestellt, vielleicht Mitglieder einer Bruderschaft, eventuell sogar die Auftraggeber dieser Statue? Ganz im Stil der Gotik sind die Figuren in der Mantelhöhle sehr viel kleiner als die himmlischen Personen. In ihrer Weltlichkeit und Schuldbeladenheit durch die Erbsünde sind sie Maria und dem Jesuskind untergeordnet.


Heilige Elisabeth aus Ehingen/Donau

Heilige Elisabeth aus Ehingen/Donau

Werkstatt Jörg Syrlin des Jüngeren, Bildschnitzer Niklaus Weckmann (?), 1493

Als Inbegriff der Mildtätigkeit und Nächstenliebe gilt die Heilige Elisabeth von Thüringen. In der Kunst wird sie häufig mit dem Rosenwunder abgebildet oder bei der Versorgung Bedürftiger, wie hier. Elisabeth gibt einem Mann, der eindeutig durch seine Kleidung und die nackten Füße als Bettler gekennzeichnet ist, aus einer Kanne zu trinken. In der anderen Hand hält sie einen angeschnittenen Laib Brot.

Die gut ein Meter hohe Figur ist noch in der originalen Farbgebung erhalten. So prächtig, wie sie hier dargestellt wurde, kleidete sich die historische Elisabeth trotz ihres Standes als Landgräfin von Thüringen nicht – sie bevorzugte zeitlebens schlichteste Gewänder, und als sie 1231 mit nur 24 Jahren in Marburg starb hatte sie ihren gesamten Reichtum an die Armen verteilt.