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Eisen

Circulation of iron products in the iron-age of eastern France and southern Germany (CIPIA)

Multidisciplinary and methodological approaches towards the provenance of ancient iron

Ab dem 8. vorchristlichen Jahrhundert entwickelte sich Eisen nach und nach zum wichtigsten Rohstoff für die Herstellung von Waffen, Werkzeugen und landwirtschaftlichen Geräten und gab einer ganzen vorgeschichtlichen Epoche ihren Namen – der Eisenzeit. Anders als Kupfer, Zinn und Bronze war der neue Werkstoff in Süddeutschland unmittelbar vor Ort verfügbar. Wichtige Verhüttungszentren lagen bei St. Johann nahe Urach auf der mittleren schwäbischen Alb und bei Neuenbürg im Nordschwarzwald. Die dortigen Verhüttungsplätze datieren in die ausgehende Späthallstatt- und die Frühlatènezeit (540–380 v. Chr.) und gehören sie zu den frühesten Eisenproduktionsstätten in Mitteleuropa überhaupt.

In welcher Form und auf welchen Wegen wurde das Eisen von den Erzrevieren aus vertrieben? Wie war diese umfangreiche Produktion in die komplexen wirtschaftlichen, sozialen und räumlichen Strukturen der frühkeltischen Hallstattkultur und der darauffolgenden Latènekultur eingebunden?

Diesen Fragen widmet sich seit 2011 das internationale Forschungsprojekt CIPIA, des Curt-Engelhorn-Zentrums Archäometrie (CEZA), des Landesamts für Denkmalpflege Baden-Württemberg und des Commissariat à l’énergie atomique des Centre national de la recherche scientifique (CEA/CNRS). Das Projekt wird im Rahmen der Ausschreibung für gemeinsame deutsch französische Forschungsprojekte in den Geistes- und Sozialwissenschaften von der Agence Nationale de la Recherche (ANR) und der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert. Das Landesmuseum Württemberg unterstützt das Forschungsvorhaben mit dem Referat Vorrömische Metallzeiten als einer der wichtigsten Kooperationspartner.

Im Focus der Analysen stehen Eisenobjekte der späten Hallstatt- und der jüngeren Latènezeit aus Südwestdeutschland und Ostfrankreich. Ziel der Untersuchungen ist es Herkunft und Distribution von Eisen in diesen Regionen in der frühen Eisenzeit aufzuzeigen. Dabei haben jeweils die deutsche und französische Arbeitsgruppe zwei unterschiedliche Methoden entwickelt, die nun im Vergleich an dem jeweiligen Untersuchungsmaterial angewandt wird. Während die deutsche Arbeitsgruppe sich auf die Isotopenverhältnisse des Elements Osmium als »Weiserelement« zur Herkunftsbestimmung   stützt, werden von der französischen Arbeitsgruppe Spurenelemente in den Schlackeneinschlüssen analysiert. Parallel zu den Analysen der Eisenartefakte werden relevante Eisenerze und Relikte der Verhüttung, wie Schlacken und Luppen von bekannten Verhüttungsplätzen aus Süddeutschland und Ostfrankreich analysiert.