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Gold der Kelten

Rethinking earliest Celtic gold

Rethinking earliest Celtic gold

Economic, social and technological perspectives in the West Hallstatt Culture

Als in den Jahren 1876 und 1877 landwirtschaftliche Arbeiten in unmittelbarer Nähe der Heuneburg bei Hundersingen reich ausgestattete Grabfunde in großen Grabhügeln zutage förderten, führten nicht zuletzt die darin aufgefundenen Halsringe aus Goldblech zur Etablierung des Begriffes »Fürstengrab« für derart prunkvolle Bestattung in der deutschsprachigen Archäologie. Die Verbreitung der Goldhalsreifen aus dem 6. Jahrhundert vor Christus, von denen bislang rund 20 Exemplare vorliegen, zeigt eine Häufung dieser Schmuckstücke in Südwestdeutschland, der nordwestlichen Schweiz und in Ostfrankreich, wobei sie sich in der Umgebung der frühkeltischen Machtzentren der so genannten Fürstensitze, wie beispielsweise der Heuneburg oder dem Hohenasperg konzentrieren. Aus demselben geografischen Raum ist mittlerweile jedoch auch eine Vielzahl von kleinen Goldobjekten, meist hohle Ringlein aus Goldblech, aus sehr viel bescheideneren Grablegen bekannt.

All diesen Fundstücken widmet sich seit April 2012 das französisch-deutsche Forschungsprojekt »Rethinking earliest Celtic gold – Economic, social and technological perspectives in the West Hallstatt Culture.«. Neben dem Curt-Engelhorn-Zentrum sind es auf deutscher Seite die Universität Tübingen und das Landesmuseum Württemberg in Stuttgart, auf französischer Seite das Centre Nationale de la Recherche Scientifique und die Universität Toulouse, das Institut de Recherche sur les ArchéoMATériaux (IRAMAT) als Forschungsinstitut des CNRS an der Universität Orléans sowie das Musée d’Archéologie Nationale in Saint-Germain-en-Laye, die das Projekt tragen. Die Projektfinanzierung übernahm die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) und der Agence Nationale de la Recherche (ANR).

Hauptziel des Projekts ist eine kulturhistorische Interpretation zur Entwicklung stilistischer und herstellungstechnischer Traditionen von Prestigeobjekten im Kontext der nordwestalpinen Hallstattkultur. Goldschmiedearbeiten eignen sich dabei in besonderem Maße für eine Arbeitsschrittanalyse von der Gewinnung und Distribution des Rohstoffes bis hin zu Ver- und Bearbeitungstechniken. Sowohl die verwendeten Ornamente als auch die angewandten Techniken sind einerseits Spiegelbilder lokaler Traditionen und Innovationen, zeigen andererseits auch Fremdeinflüsse und Netzwerke von kunsthandwerklichen Produkten auf. Im Gegensatz zu jüngeren Studien zum frühkeltischen Bronze- und Eisenhandwerk fehlen bislang umfassende interdisziplinäre Untersuchungen zu den hallstattzeitlichen Goldfunden. Neu im Rahmen des Projekts sind in Zeit und Raum übergreifend vergleichende Studien zur Herstellung, stilistische Einordnungen sowie Rohmaterialanalysen nach neuestem Standard. Zum ersten Mal arbeiten an diesem Thema Spezialisten aus den Bereichen der Archäologie, der Archäometrie und der Technologie länderübergreifend und interdisziplinär zusammen.

Von insgesamt etwa 500 Objekten in Süddeutschland, der Schweiz und Österreich, die in möglichst großer Anzahl untersucht werden sollen, gehören allein nahezu 300 Objekte zu den Beständen des Landesmuseums Württemberg, das die größte Sammlung hallstattzeitlicher Goldobjekte Süddeutschlands beherbergt und so mit seinem Referat Vorrömische Metallzeiten einer der wichtigsten Kooperations- und Forschungspartner des Projektes ist.

Rethinking earliest Celtic gold
Rethinking earliest Celtic gold