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Werkstatt Glas

Restaurierung von Glasobjekten

In den Depots und Ausstellungsräumen des LMW befinden sich rund 3000 Objekte aus Glas, die konservatorisch und restauratorisch betreut werden. Überwiegend handelt es sich hierbei um archäologisches und kunsthandwerkliches Hohlglas, aber auch um Fenster- und Kabinettscheiben.

Schadensbilder

Zerbrochenes Glas

Glas bricht – natürlich. Jedoch führen auch andere Faktoren zu einer Schädigung von Glasobjekten. So kann bei archäologischem Glas eine Zersetzung der Glassubstanz im Boden stattfinden. Diese zeigt sich durch eine schillernde Irisschicht auf der Oberfläche mancher Gläser. Doch der schöne Lüster ist meist mit dem Verlust originaler Glassubstanz verbunden. Auch bestimmte neuzeitliche und moderne Gläser können einem Zerfall unterliegen. Sie leiden an der so genannte Glaskrankheit. Der Grund dafür liegt unter anderem in der unausgewogenen Zusammensetzung der Glasbestandteile. Nach und nach wird das Glas von einem feinen Rissnetz durchzogen. Werden die Risse größer und tiefer kann die Glaskrankheit bis zu einer Fragmentierung des Glases fortschreiten.

Alte Restaurierungsmaterialien entfernen

Alle Materialien, die als Klebstoffe, Ergänzungsmaterialien oder Festigungsmittel im Rahmen von Restaurierungen eingesetzt werden, unterliegen mit der Zeit einem unerwünschten Wandel. Besonders bei Glasobjekten sind alte, vergilbte Klebungen augenfällig. Häufig verspröden auch Klebstoffe und können die Glasfragmente nicht mehr zusammenhalten. Daher entscheiden sich die Restauratoren häufig für eine Entfernung der alten Restaurierungsmaterialien und für eine Neurestaurierung mit den derzeit bewährten Methoden und Mitteln.

Glas kleben

Glas kleben

Soll ein fragmentiertes Glas geklebt werden, erfolgt der Klebstoffauftrag erst nachdem die Bruchstücke provisorisch zusammengeheftet wurden. Würde man den Klebstoff auf jede Bruchkante einzeln auftragen, gäbe es keine Passgenauigkeit mehr im Scherbenverbund. Folglich setzen die Restauratoren die Glasfragmente erst mithilfe von verschiedenen Klebestreifen vollständig zusammen. Anschließend wird der sehr dünnflüssige Klebstoff auf die Bruchkanten aufgetragen. Dieser zieht durch den Kapillarsog in die Klebefuge ein und füllt diese im Idealfall so aus, dass sie kaum noch sichtbar ist.

Glas ergänzen

Fehlen Glasscherben im Verbund, ist es möglich, die Fehlstellen mit einem Kunststoff zu füllen. Ist diese Ergänzung jedoch nicht aus Stabilitätsgründen unbedingt erforderlich oder unterliegt das Objekt nicht besonderen ästhetischen Ansprüchen, sieht man meist von einer Ergänzung ab. Dies liegt daran, dass Kunststoffe vergleichsweise schnell altern und vergilben und immer wieder erneuert werden müssen. Dieser Eingriff ist stets mit Arbeit, vor allem aber mit einer großen Belastung des Glasobjektes verbunden und kann zu weiteren Schäden führen.