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Geklärte Fälle

Orpheus-Uhr, vermutlich 1560/ 1570

Geklärte Fälle

Verfolgungsbedingt entzogene Objekte

Verfolgungsbedingt entzogene Objekte in den Sammlungen des Landesmuseums Württemberg. Diese Veröffentlichung wird gegebenenfalls ergänzt.


Miniaturgruppe

Miniaturgruppe
Streitendes Paar, Ludwigsburger Porzellan, um 1770. Höhe: 7,1cm, Teil der „Venezianischen Messe“, WLM 2006-41.

Die Miniaturgruppe befindet sich seit 1996 als Leihgabe im Landesmuseum Württemberg und wurde 2006 dem Museum als Geschenk überlassen. Sie ist Teil der so genannten „Venezianischen Messe“ und daher für die Geschichte der Manufaktur in Ludwigsburg bzw. für die Landesgeschichte von Bedeutung. Auf dem Boden der Porzellangruppe ist ein altes Sammlungsetikett mit dem Aufdruck „Sammlung *H.E.B.“ aufgeklebt, welches das Stück als Teil der Sammlung Henry und Emma Budge in Hamburg ausweist. Henry Budge (1840-1928) und Emma Budge (1852-1937) sammelten vor allem Porzellan, Textilien, Kleinskulpturen sowie Kunstgewerbe des 16.-18. Jhdt.

Nach dem Tod Emma Budges 1937 war ihre Sammlung auf einer Auktion bei Paul Graupe in Berlin am 4.-6.10.1937 versteigert worden, darunter befand sich auch das „Streitende Paar“ aus Ludwigsburg. Bei der Auktion handelte es sich um einen verfolgungsbedingten Verkauf. Das Landesmuseum Württemberg hat eigeninitiativ den Anwalt der Erben nach Emma Budge kontaktiert. Im Februar 2013 konnte diese Gruppe restituiert und für das Landesmuseum zurückerworben werden.


Renaissanceuhren

Quadratische Tischuhr und Orpheus-Uhr
Quadratische Tischuhr von Johann Reinhold, 1581/ 1592 in Augsburg, Inv.Nr. WLM 1973-25, und Orpheus-Uhr, vermutlich 1560/ 1570, Inv.Nr. WLM 1973-136.

Die beiden Renaissanceuhren stammen ursprünglich aus der Sammlung von Eugen Gutmann, dem Gründer der Dresdner Bank. Eugen Gutmann (1840 bis 1925) war ein bedeutender Kunstsammler. Im Laufe seines Lebens erwarb er eine Sammlung vorwiegend deutscher Gold- und Silberschmiedearbeiten der Renaissance. Nach dem Tod Eugen Gutmanns verblieb die Sammlung im Besitz der Familie; sie wurde von seinem Sohn Fritz Gutmann treuhänderisch verwaltet. Fritz Gutmann (1886 bis 1944) lebte seit 1919 in Heemstede, Niederlande. Dort befand sich auch die Sammlung Eugen Gutmann bis 1942.

Nach dem Einmarsch der Deutschen Wehrmacht in Holland im Sommer 1940 wurde Fritz Gutmann wegen seiner jüdischen Herkunft verfolgt und war gezwungen, seine Sammlung zu verkaufen. Ab 1941 bereitete er seine Flucht vor. 1942 übergab er daher seine Sammlung in Kommission den Kunsthändlern Karl Haberstock, Berlin und Julius Böhler, München. Die Sammlung wurde daraufhin nach München gebracht und dort bei Böhler deponiert. Das Ehepaar Gutmann wurde jedoch 1943 deportiert und ein Jahr später ermordet.

Nach Kriegsende wurde der größte Teil der Sammlung Eugen Gutmann an die Erben restituiert. Mehrere Objekte waren allerdings nicht mehr auffindbar. Zwei dieser fehlenden Objekte konnten nun im Landesmuseum Württemberg identifiziert werden. Bei den Uhren handelt es sich um zwei höchst qualitätvolle Tischuhren der Renaissance. Diese wurden im Juli 2012 an die Erben restituiert. Die darauf folgenden Kaufverhandlungen mit Erben des ehemaligen Eigentümers wurden erfolgreich abgeschlossen. Die zurückgekauften Uhren sind weiterhin in der Prunkuhrensammlung des Landesmuseums Württemberg ausgestellt.


Astronomische Tischuhr

Astronomische Tischuhr
Augsburg, um 1600, Höhe 50cm, Messing vergoldet, Inv. Nr.: 1973/26.

Die Tischuhr wurde am 17./18.06.1936 (Lot 187) bei Paul Graupe, Berlin, zur Auktion angeboten. Bei dieser Auktion wurde das Warenlager der jüdischen Kunsthandlung A.S. Drey, München, versteigert. Die Versteigerung fand wegen der von den Nationalsozialisten erzwungenen Schließung der Kunsthandlung und der Erhebung fingierter Steuerschulden statt. 1973 erwarb das Landesmuseum Württemberg diese Uhr von dem Uhrensammler Joseph Fremersdorf, Luzern. 

Die Tischuhr wurde im September 2012 an die Erben restituiert. Derzeitiger Standort unbekannt.


Ulmer Schwanenglas

Ulmer Schwanenglas
Vivatglas der Schwanenwirtin, Ulm, um 1703. Glas, Goldschmiedearbeit, Inv.Nr.: WLM 1935-230.

Das Objekt wurde vom Landesmuseum Württemberg auf einer Auktion bei Hugo Helbing, Frankfurt, am 3./4.12.1935 angekauft. Das Glas war zum Schätzpreis von 1.200 RM angeboten worden und wurde für 920 RM erworben. Im Auktionskatalog wird das Schwanenglas unter der Lotnr. 279 aufgeführt; Einlieferer war Prof. Julius Lehmann (1884-1951), ein angesehener Jurist in Frankfurt. Prof. Dr. jur. Julius Lehmann hatte dieses Glas 1928 bei der Auflösung der Sammlung Hohenzollern-Sigmaringen für 4.000 RM erworben. Wegen seiner jüdischen Herkunft musste er 1933 Frankfurt verlassen und in die Schweiz emigrieren. Offensichtlich hinterließ er dieses Glas 1933 bei dem Frankfurter Auktionshaus Hugo Helbing, das es 1935 in einer Auktion anbot.

Die Erben nach Julius Lehmann konnten aufgefunden und kontaktiert werden. Zur Zeit laufen die Verhandlungen wegen eines Rückkaufes. Das Ulmer Schwanenglas befindet sich derzeit als Leihgabe des Landesmuseums Württemberg im Ulmer Museum.


Plastik Johannes der Täufer
Lindenholz, gefasst, übermalt, Bayerisch Schwaben, um 1510, Höhe 140cm, Inv.Nr.: WLM 1986-81.

Die Plastik wurde 1986 vom Landesmuseum Württemberg über den Handel erworben. Sie befand sich ursprünglich im Eigentum der Firma "Altkunst GmbH", gegründet 1917 mit Sitz in Berlin. Geschäftsführer der Firma "Altkunst GmbH" waren Jacob und Rosa Oppenheimer. Wegen ihrer jüdischen Herkunft wurde das Ehepaar bereits ab 1933 verfolgt. Sie erhielten Berufsverbot, mußten die Firma "Altkunst" schließen und das gesamte Warenlager in mehreren Auktionen in Berlin verschleudern. 1933 emigrierte das Ehepaar. Jacob Oppenheimer starb 1941 im Exil in Nizza. Rosa Oppenheimer, geborene Silberstein, wurde im französischen Lager Drancy interniert, 1943 nach Ausschwitz deportiert und im selben Jahr dort ermordet. Die Plastik "Johannes der Täufer" wurde bei einer Versteigerung der Restbestände der Firma "Altkunst" am 30.09.1939 bei dem Auktionator Dr. Walther Achenbach in Berlin verkauft. Über mehrere Kunsthändler gelangte die Plastik spätestens 1955 in Schweizer Privatbesitz und blieb dort bis 1985. Die Erben nach Jacob und Rosa Oppenheimer bzw. deren Anwältin wurden vom Landesmuseum Württemberg kontaktiert und über den Sachstand informiert. Die Plastik wurde am 13.10.2011 an die Erben restituiert. Sie befindet sich heute im Getty Museum, Los Angeles, USA (Inventarnr. 2012/1).


Biberacher Silberpokal

Biberacher Silberpokal
Biberach, Hans Jakob Schönfeld, 4. Viertel des 16. Jhdt., Silber vergoldet, Höhe: 17,1 cm, Durchmesser: 7,5 cm, Inv.Nr.: WLM 1951/2.

Der Silberpokal stammte ursprünglich aus der Sammlung von Joseph Pinkus, Neustadt (heute Prudnik) in Oberschlesien/ heute Polen. Joseph Pinkus (1829-1909) vermachte seine umfangreiche Silbersammlung seiner Tochter Hedwig Pinkus, die 1883 den Bakteriologen und Nobelpreisträger Paul Ehrlich heiratete und mit ihm nach Frankfurt zog. Ihre Silber-sammlung deponierte sie in der Dresdner Bank in Frankfurt.

Nach ihrer Emigration in die Schweiz 1939 wurde ihre Silbersammlung im Zuge der Zwangsabgabe von Edelmetallen für Juden von der Städtischen Darlehensanstalt in Frankfurt beschlagnahmt und verwertet. Der Pokal wurde von dem Kunsthändler Walter Hauth (Frankfurt/ Stuttgart) erworben und 1951 an das Landesmuseum Württemberg für 700 DM verkauft.

Die Erben nach Hedwig Pinkus konnten aufgefunden und kontaktiert werden. Zur Zeit laufen die Verhandlungen wegen der Belassung des Silberpokals im Landesmuseum Württemberg als Dauerleihgabe der Erben.


Akeleybecher der Metzgerzunft zu Esslingen

Akeleybecher der Metzgerzunft zu Esslingen
Silber, vergoldet, Ulm, Meister K. 1655, Höhe ohne Deckel 21cm, mit Deckel 31cm, Inv.Nr.: WLM 1933-668.

Der Silberbecher stammt aus dem Eigentum von Morton Bernath, der seit 1928 Besitzer der Kunst-handlung  „Antiquitätengeschäft im Prinzenbau“ in Stuttgart war. Am 1.4.1933 wurde sein Geschäft boykottiert, am nächsten Tag der Mietvertrag vom Staatsrentamt gekündigt. Bernath musste sein Geschäft im April 1933 schließen und sein Warenlager unter Wert verkaufen. Das Landesmuseum Württemberg erwarb den Silberbecher im März 1934 von Morton Bernath.


Messingdose

Messingdose
Oval, innen verzinnt, Deutsch, 19. Jhdt. 1. Hälfte, Höhe 7,5cm, Inv.Nr.: LGA 901.

Die Messingdose wurde bei dem Auktionator Otto Greiner, Stuttgart, auf einer Auktion am 1.10.1936 (Lot 299) angeboten und dort vom Landesgewerbemuseum für 8 RM erworben. Einlieferin dieses Stückes war die Witwe Hedwig Neuhäuser, * 05.03.1881 in Bad Cannstatt, geborene Reis, jüdischer Herkunft. Hedwig Neuhäuser wurde am 22.8.1942 nach Theresienstadt deportiert, von dort am 16.5.1944 nach Auschwitz. Sie wurde durch Beschluss des Amtsgerichtes Stuttgart vom 21.5.1954 für tot erklärt.

Die Messingdose wurde im September 2017 an die Erben restituiert.

Ein Stolperstein als Zeichen der Wiedergutmachung
Das Landesmuseum hat einen Stolperstein für Hedwig Neuhäuser gestiftet. Dieser wurde am 23.11.2011 in der Rosenbergstraße 149 in Stuttgart verlegt.


Kohlenbecken

Kohlenbecken
Süddeutsch, 1770, achtseitig, Messingblech getrieben, gepunzt und graviert, Höhe: 15,4 cm, Durchmesser: 21 cm, Inv.Nr.: LGA 900.

Das Kohlenbecken wurde bei dem Auktionator Otto Greiner, Stuttgart, auf einer Auktion am 1.10.1936 (Lot 300) angeboten und dort vom Landesgewerbemuseum für 10 RM erworben. Einlieferin dieses Stückes war die Witwe Hedwig Neuhäuser, * 05.03.1881 in Bad Cannstatt, geborene Reis, jüdischer Herkunft. Hedwig Neuhäuser wurde am 22.8.1942 nach Theresienstadt deportiert, von dort am 16.5.1944 nach Auschwitz. Sie wurde durch Beschluss des Amtsgerichtes Stuttgart vom 21.5.1954 für tot erklärt.

Das Kohlenbecken wurde im September 2017 an die Erben restituiert.

Ein Stolperstein als Zeichen der Wiedergutmachung

Das Landesmuseum hat einen Stolperstein für Hedwig Neuhäuser gestiftet. Dieser wurde am 23.11.2011 in der Rosenbergstraße 149 in Stuttgart verlegt (siehe Bilder oben).


Salzbehälter

Salzbehälter
Stuttgart, um 1800, eingraviert: F.O. in Schreibschrift, vermutlich Gravur des Eigentümers, Silber getrieben, Höhe: 5,8 cm, Länge: 9,4 cm, Breite: 4,6 cm, Inv.Nr.: LGA 2436a.

Dieses Silbergefäß wurde 1939 im Zuge der Zwangsabgabe von Edelmetallen für Juden der Städtischen Pfandleihe Stuttgart übergeben und von dieser ca. 1939 an das Landesgewerbe-museum Stuttgart verkauft oder überwiesen. 1968 wurde das Gefäß dem Württembergischen Landesmuseum übergeben.

Akten der Städtischen Pfandleihe sind nicht überliefert. Daher konnte der Einlieferer dieses Objektes nicht ermittelt werden. Aus diesem Grund ist eine Restitution zur Zeit nicht möglich.


Dukat

Dukat
Schwäbisch Hall, 1777, Gold, Durchmesser: 22 mm, Gewicht: 3,47 g, Inv.Nr.: MK 14354.

Die Münze wurde im Zuge der Zwangsabgabe von Edelmetallen für Juden der Städtischen Pfandleihe Berlin (Abteilung III – Zentralstelle aus jüdischem Besitz) 1939/1940 übergeben und von dieser 1940 an das Württembergische Landesmuseum für 25 RM verkauft.

Akten der Städtischen Pfandleihe sind nicht überliefert. Daher konnte der Einlieferer dieses Objektes nicht ermittelt werden. Aus diesem Grund ist eine Restitution zur Zeit nicht möglich.


Medaille

Medaille
Übungslager des bayerischen Heeres vor der Stadt Augsburg, 1838, Gold, Durchmesser: 40,7 mm, Gewicht: 31,36 g, Inv.Nr.: MK 14353.

Die Medaille wurde im Zuge der Zwangsabgabe von Edelmetallen für Juden der Städtischen Pfandleihe Berlin (Abteilung III – Zentralstelle aus jüdischem Besitz) 1939/1940 übergeben und von dieser 1940 an das Württembergische Landesmuseum für 140 RM verkauft.

Akten der Städtischen Pfandleihe sind nicht überliefert. Daher konnte der Einlieferer dieses Objektes nicht ermittelt werden. Aus diesem Grund ist eine Restitution zur Zeit nicht möglich.


Goldene Herren-Taschenuhr

Goldene Herren-Taschenuhr
Sehr dünn, Deutsch, 2. Hälfte 19. Jhdt., Gold, Durchmesser: 4 cm, Inv.Nr.: LGA 2896, neue Inv.Nr.: WLM 1968-151.

Die Uhr wurde im Zuge der Zwangsabgabe von Edelmetallen für Juden der Städtischen Pfandleihe Stuttgart übergeben und von dieser am 26.3.1941 an das Landesgewerbemuseum Stuttgart für 50 RM verkauft. 1968 wurde die Uhr dem Württembergischen Landesmuseum übergeben.

Akten der Städtischen Pfandleihe sind nicht überliefert. Daher konnte der Einlieferer dieses Objektes nicht ermittelt werden. Aus diesem Grund ist eine Restitution zur Zeit nicht möglich.


Goldene Herren-Taschenuhr

Goldene Herren-Taschenuhr
Mit Schlagwerk und Repetition, Gold, guillochiert, Deutsch, Mitte 19. Jhdt., LGA 2895, neue Inventarnummer WLM 1968/173.

Die Uhr wurde im Zuge der Zwangsabgabe von Edelmetallen für Juden der Städtischen Pfandleihe Stuttgart übergeben und von dieser am 26.3.1941 an das Landesgewerbemuseum Stuttgart für 50 RM verkauft. 1968 wurde die Uhr dem Württembergischen Landesmuseum übergeben.

Akten der Städtischen Pfandleihe sind nicht überliefert. Daher konnte der Einlieferer dieses Objektes nicht ermittelt werden. Aus diesem Grund ist eine Restitution zur Zeit nicht möglich.


Zweitüriger Schrank

Ulm, um 1650, Höhe: 205 cm, Breite: 167 cm, Tiefe: 71 cm,
Inv.Nr.: LGA 2997.

Der Schrank stammt aus dem Eigentum der Luise Schnurmann, Hechingen, jüdischer Herkunft. Er wurde durch Vermittlung der „Reichskammer der bildenden Künste“, Berlin, am 13.03.1942 an das Landesgewerbemuseum für 320 Reichsmark verkauft. Die „Reichskammer der bildenden Künste“ unterstand dem damaligen Propagandaminister Josef Goebbels. Die Witwe Luise Schnurmann, *3.3.1874 in Hechingen, geborene Löwenthal, wurde am 19.8.1942 im Alter von 67 Jahren von Hechingen nach Theresienstadt deportiert, wo sie am 12.3.1943 ermordet wurde. 1968 gelangte dieser Schrank in das Württembergische Landesmuseum.

Luise Schnurmann verstarb erbenlos. Eine Restitution des Schrankes ist daher zur Zeit nicht möglich. Eine Abbildung ist leider nicht vorhanden.