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Präventive Konservierung

Präventive Konservierung

Präventive Konservierung

Präventive Konservierung dient dem langfristigen Erhalt und der Pflege von Kunst- und Kulturgut. Ziel ist es, schädigende Einflüsse bereits im Vorfeld zu erkennen und zu vermeiden oder sie zu reduzieren. Somit versteht sich die Präventive Konservierung im Gegensatz zum Restaurieren oder Rekonstruieren als Schaffen eines optimalen Umfelds ohne Eingriff in die Substanz. Um diese Aufgabe zu bewältigen, bedarf es Kenntnisse über verwendete Materialien und Herstellungstechniken, über das gegebene Umfeld sowie die Möglichkeiten zur Verbesserung der Situation. Der Erhalt von materiellen Kulturgütern ist dabei im Wesentlichen abhängig von den Umgebungsbedingungen wie Klima, Licht, Schadstoffen, Schädlingen und Katastrophen.

Was tragen wir konkret im Landesmuseum Württemberg zum Erhalt unserer Objekte bei?

Klima

Aufzeichnungen extremer Temperaturschwankungen in einem Ausstellungsraum
Aufzeichnungen extremer Temperaturschwankungen in einem Ausstellungsraum

Klimastabilisierung in Ausstellungs- und Lagerräumen steht oft im Widerstreit zwischen dem Schutz der Exponate vor Schäden und der Behaglichkeit für den Besucher. Ziel ist es, Extremwerte zu vermeiden und allzu schnelle Schwankungen in der Luftfeuchtigkeit und der Temperatur zu verhindern. Dies wird durch eine möglichst dichte Raumhülle mithilfe geschlossener Fenster und Türen ermöglicht. Einer Erwärmung der Ausstellungsräume wird zusätzlich durch spezielle Folien an den Fenstern, die Infrarotlicht aus dem Tageslicht filtern, entgegengewirkt. Um festzustellen, welche klimatischen Verhältnisse in den Ausstellungsräumen und den Depots herrschen und um Abweichungen schnell zu bemerken, werden Messungen durchgeführt.

Licht

Die direkte Sonneneinstrahlung auf Objekte sollte unbedingt vermieden werden
Die direkte Sonneneinstrahlung auf Objekte sollte unbedingt vermieden werden

Auch eintreffendes Licht und ultraviolette Strahlung führen zu Schwankungen des Klimas. Die Lagerung und Aufbewahrung der Objekte in den Depots und Archiven erfolgt aus diesem Grund unter Ausschluss von Tageslicht. Sie werden in der Regel lediglich zur kurzen Betrachtung künstlichem Licht ausgesetzt. In den Museen ausgestellte Objekte hingegen werden beleuchtet. Damit empfindliche Farben durch künstliche Beleuchtung nicht ausbleichen, werden im Ausstellungsraum und in den Vitrinen LED-Leuchten verwendet. Bei besonders empfindlichen Objekten wird außerdem die Beleuchtungszeit reduziert, d.h. sie können nur auf Knopfdruck oder durch Öffnen einer Klappe betrachtet werden.

Schadstoffe

Bleigewichte aus einer Uhr, durch Schadstoffe in einer Vitrine  stark korrodiert und fast vollständig zerstört.
Bleigewichte aus einer Uhr, durch Schadstoffe in einer Vitrine stark korrodiert und fast vollständig zerstört.

Neben starken Klimaschwankungen schädigen Schadstoffe und Luftverunreinigungen ausgestellte und gelagerte Exponate. Diese können aus der Umwelt und Verkehr, aus dem Mauerwerk, aus Werkstoffen der Raumausstattung und Vitrinen stammen. Auch die Exponate selbst können die Quelle von Schadstoffabsonderungen sein, beispielsweise auf Grund der verwendeten Werkstoffe oder vorangegangenen Restaurierungen. Ziel ist es, die Fülle von unerwünschten Schadstoffen und Stäuben in Ausstellungsräumen und in Vitrinen zu reduzieren und somit Exponate vor Zerstörungen und vorzeitiger Alterung zu schützen.

Schädlinge

Monitoring im Depot
Monitoring im Depot

Eine besondere Gefahr für ausgestellte und gelagerte Objekte geht von deren Befall durch Schädlinge aus. So führen Holz zerstörende Schädlingsarten zu immensen Schäden an Möbeln, Holzeinbauten oder Dachstühlen. Mottenlarven andererseits zerfressen wertvolle Textilien. Zum Schutz der Holz-Exponate wurden diese bis weit in die 1960er Jahre hinein mit Holzschutzmitteln (chemische Pestizide wie DDT) getränkt. Viele dieser Mittel sind heute auf Grund ihrer Toxizität verboten. Die mit ihnen behandelten Objekte sind im schlimmsten Fall so stark kontaminiert, dass sie nur noch mit Schutzkleidung berührt und zum Teil auch nicht mehr ausgestellt werden können. Um im Zuge von knappen Ressourcen Kosten zu sparen und um keine weiteren giftigen Stoffe zum Schutz der Exponate einzubringen, findet im musealen Bereich die integrierte Schädlingsbekämpfung (IPM) Anwendung. Hierbei wird in regelmäßigen Abständen die Anwesenheit von Schädlingen überprüft (Monitoring). Das geschieht zum einen mit Hilfe aufgestellter Klebefallen in den Werkstätten und den Depots, zum anderen durch konsequentes Absuchen von Böden, Fensterbänken und Regalen. Außerdem wird bei der Einrichtung von Depots und Archiven auf das Abdichten von Öffnungen nach draußen geachtet. Helle Böden zum leichteren Auffinden von Schädlingen werden bevorzugt. Entsteht beim Monitoring der Verdacht auf einen Befall oder werden gar Larven, Käfer, Motten oder frische Fraßspuren entdeckt, werden chemiefreie Bekämpfungsmaßnahmen ergriffen. Zum Einsatz kommen dabei Wärme- oder Stickstoffkammern, in welchen die Schädlinge durch hohe Temperaturen, Sauerstoffentzug oder hohen Stickstoffgehalt  absterben. Aber auch der Einsatz von Schlupfwespen, die sich von Mottenlarven ernähren, hat sich am Landesmuseum Württemberg bewährt. Und doch ist es das Ziel von IPM durch gezieltes Monitoring, den Befall der ausgestellten oder gelagerten Objekte erst gar nicht zu ermöglichen.

Transport- und Verpackungsmethoden

Transport von Objekten auf einem anpassungsfähigen Vakuumkissen
Transport von Objekten auf einem anpassungsfähigen Vakuumkissen

Daneben spielt die Entwicklung neuer Transport- und Verpackungsmethoden eine große Rolle. So wurde gemeinsam mit einer externen Firma ein neues Verpackungssystem in einem Pilotprojekt - dem Umzug von rund 1500 archäologischen Keramiken getestet. Hierbei wird ein dreidimensionales Exponat mithilfe der anpassungsfähigen Vakuumkissen im Transportbehälter immobilisiert werden. Dazu wird ein Vakuumkissen in den Behälter gelegt und über ein Ventil soviel Luft mit einer Vakuumpumpe aus dem Kissen gezogen, dass die Füllung wie eine plastische Masse modellierbar wird. Sodann kann das Exponat auf das Kissen gelegt und in die gewünschte Position gebracht werden. So können auch empfindliche Objekte sicher transportiert werden. Neben den genannten Gefahren, die zu einer Zerstörung von Objekten führen können, wird Kunst- und Kulturgut auch von Katastrophen bedroht. Auch die Maßnahmen zur Vermeidung dieser Schäden beziehungsweise der Umgang mit den Objekten in Notfällen, sind Bestandteil der Präventiven Konservierung.