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Werkstatt Archäologie

Archäologische Restaurierung und Eisenentsalzung

Im Bereich der archäologischen Restaurierung liegt der Schwerpunkt in der Restaurierung von Metallen, aber auch organische Materialien werden bearbeitet. Daneben wird seit dem 1. Januar 2009 das Projekt Eisenentsalzung am Landesmuseum Württemberg umgesetzt.

Wieso Eisenentsalzung und wie funktioniert sie?

Die Natrium-Sulfit-Methode

Eisen gehört zu den „Sorgenkindern“ jeder archäologischen Sammlung. Insbesondere Eisengegenstände, die viele Jahrhunderte im Boden lagen, sind stark mit Salzen belastet. Diese verursachen Korrosion, die bei Eisen sehr schnell voranschreitet. Sobald vermehrt Sauerstoff und Feuchtigkeit in die Objekte eindringt, kommt es zu großem Materialverlust, da diese Korrosion von innen nach außen wandert und dadurch die Oberfläche wie Schollen abhebt.

Zur Stabilisierung der Eisenobjekte wurde die Methode der Natrium-Sulfit-Entsalzung entwickelt. Sie beruht auf der chemischen Reaktion, die in einem Tauchbad zwischen den Objekten und einer Lauge stattfindet. Durch Ionenaustausch wandern die Chlorid-Ionen aus den Eisenobjekten in die Natrium-Sulfit-Lösung. Da diese Methode seit fast 30 Jahren erfolgreich angewendet wird, hat sich das Landesmuseum Württemberg entschieden, einen Großteil seiner Objekte auf diese Weise zu behandeln. Bei einigen Objekten ist die Behandlung "nur" eine präventive Maßnahme, bei manchen eine notwendige und bei anderen die letzte Rettung.

Die Eisenentsalzung am Landesmuseum Württemberg

Die Eisenentsalzung am Landesmuseum Württemberg nach der Natrium-Sulfit-Methode

Im Labor der Restaurierungswerkstätten sind fünf Wannen mit Natrium-Sulfit-Lösung in Betrieb. Insgesamt fassen diese Behältnisse 186 Liter. Zu jeder Zeit befinden sichetwa 37 kg Eisen in allen fünf Bädern. Die Lösung wird auf etwa 50°C erwärmt und in der Regel alle vier Wochen erneuert. Durch die Erwärmung der Bäder erfolgt der Ionenaustausch etwa 10 Mal schneller als bei Raumtemperatur.

Jedes Objekt wird für die Entsalzung vorbereitet. Durch Verpacken der Eisenfunde in engmaschiger Kunststoffgaze wird gewährleistet, dass alle Teile beisammen bleiben. Nach Badende werden die Funde gespült, getrocknet und gereinigt. Lose Teile können danach wieder angefügt werden. Durch dünne Schutzüberzüge und ein relativ trockenes Klima werden Sauerstoff und Feuchtigkeit in Zukunft von der Eisenoberfläche abgehalten. Die Funde sind somit mindestens für die nächsten 100 Jahre bewahrt. Seit 2009 wurden 365 Eisenwaffen mit einem Gewicht von 117 kg aus frühmittelalterlichen Gräbern mit insgesamt knapp 900 kg Eisen entsalzt.

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Rekonstruktion einer frühkeltischen Radnabe

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