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Kindermumie

Mumie nach der Konservierung

Die Restaurierung und Erforschung einer Kindermumie

„Schief gewickelt“

Die Kindermumie eines 4- bis 6-jährigen Knaben aus der zweiten Hälfte des 1. Jahrhunderts nach Christus stammt aus Abusir el Melek bei Fajum und gehört der Studiensammlung des Archäologischen Instituts der Universität Heidelberg. Die Mumie wurde in der Textilwerkstatt des Landesmuseums Württemberg für die Präsentation in der Großen Landesausstellung „Ägyptische Mumien – Unsterblichkeit im Land der Pharaonen“ restauriert.

Der Leichnam war vollständig mit Leinenstreifen unterschiedlicher Qualität in Kassettentechnik eingewickelt worden. Das Mumienporträt, mit Temperafarben auf ein Leinentuch gemalt, war in die Rautenwicklung integriert. Diese besteht im überwiegenden Teil aus sechs Lagen, deren Zentren jeweils nach oben verschoben sind. Ein rosafarbenes Leintuch von feinerer Qualität scheint unter der Wicklung durch. Das Muster wird durch die Verschiedenfarbigkeit der Streifen betont. Sie muss ehemals sehr intensiv gewesen, ist heute jedoch nicht mehr zu identifizieren

Vier verschiedene Arten der Leinenbinden sind sichtbar: gerissene Streifen unter der Kassettenwicklung, einmal gefaltete Streifen, so dass sich eine saubere Kante an der Kassetteninnenseite ergibt. Die Streifen der letzten Lage und der Schmuckwicklungen in Brusthöhe und auf den Beinen sind beidseitig eingeschlagen. Im Brustbereich befindet sich ein 3 cm breiter Leinenstreifen aus Rohleinen über der eigentlichen Wicklung.

Im Laufe der Erforschung und Restaurierung ließ es sich nachweisen, dass es sich um eine ehemals neunstufige Kassettenwicklung handelte, wobei das Abdecktuch für den Rücken durch die letzte Lage gehalten wurde. Die Bänder, die ehemals den Kopf umfassten, konnten wieder in die ursprüngliche Position gebracht werden. Sie sind nahezu vollständig erhalten. Der Fußbereich konnte ebenfalls geordnet werden.

Auch das rosafarbene Abdecktuch für den Rücken ist vollständig erhalten. Es konnte wieder ausgebreitet und nahezu authentisch positioniert werden. Analysen im Rem/EDX (Rasterelektronenmikroskop und energiedispersive Röntgenanalyse) ergaben, dass das untere und obere Abdecktuch sowie eine in den unteren Schichten liegende Wicklung nicht mit Farbstoffen gefärbt, sondern mit Bleimennige bearbeitet waren. Per HPLC (Hochleistungsflüssigkeitschromatografie) ließ sich in der fünften Lage eine gelbe Nuance des Saflor und in der 9. Lage eine schwache Konzentration des Saflorrot nachweisen. Besonders auffällig war der hohe Chlor-Gehalt in der ersten Lage, der bestätigt, dass die Binden dieser Lage gebleicht waren. Mit diesen Analyseergebnissen lässt sich die farbliche Abfolge der ehemalig neunlagigen Wicklung rekonstruieren.

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