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Faszination Schwert



Ausstellung im Überblick

Geheimnisumwittertes Hightech

Das Schwert als erste Waffe, die nur zum Kampf gegen andere Menschen erschaffen wurde, war von Beginn an ein wertvolles Hightech-Produkt. In den unterschiedlichen Verfahren seiner Herstellung bündelten sich die gesamten Kenntnisse und Erfahrungen der Technologie seiner Zeit. Schon die frühen Schwerter, gegossen aus goldglänzender Bronze oder geschmiedet aus verschiedenfarbigem Eisen, waren so teuer, dass nur wenige es sich leisten konnten, sich mit einer solchen Waffe zu gürten. Erschaffen wurde das Schwert von Handwerkern, die als geheimnisumwitterte Meister ihres Faches gleichsam bewundert wie gefürchtet waren und die im Feuer der Schmiede Objekte produzierten, die bis heute nichts von ihrer Faszination eingebüßt haben.

Raum 1 "Faszinanition Schwert"

Mal kurz, mal lang, mal breit, mal dünn

Die ersten Schwerter in Mitteleuropa wurden im 17. Jahrhundert vor Christus in der Tradition der frühbronzezeitlichen Vollgriffdolche gefertigt. Seitdem erscheint das Schwert in unterschiedlichsten Formen, Größen und Ausgestaltungen. Ausschlaggebend für diese Entwicklung waren zum einen unterschiedliche Kampftechniken und -weisen. So kamen beim Nahkampf oder beim Kampf in der Formation, gedeckt vom Schild, eher kurze, zum Stich und auch Hieb geeignete Schwerter zum Einsatz, während etwa für den Kampf zu Pferde Langschwerter bevorzugt wurden. Zum anderen spielten aber auch materialbedingte Einschränkungen und die Entwicklung von Schutzausrüstungen eine Rolle. Darüber hinaus unterlag die Gestaltung zeittypischen und regionalen Faktoren sowie gesellschaftlichen Normen.

Raum 2 "Faszinanition Schwert"

Waffe und Statussymbol

Zu allen Zeiten war das Schwert mehr als nur eine Waffe. Da seine Herstellung teuer war, blieb es einer kleinen Bevölkerungsschicht vorbehalten. So wurde es zu einem Zeichen für große politische und wirtschaftliche Macht sowie für besondere Rechte. Mit dem Aufkommen des Schwertes als Waffe und Machtsymbol entstand die neue Gesellschaftsgruppe der Krieger, der Tapferkeit und besondere Tugenden zugeschrieben wurde, wie etwa den Rittern. Diese hervorgehobene Stellung lässt sich auch an den wertvoll verzierten Waffen ablesen. Im Mittelalter und der Frühen Neuzeit war ein Schwert ein wichtiger Bestandteil bei der Zeremonie einer Standeserhöhung. Daneben symbolisierte diese Waffe auch die Hohe Gerichtsbarkeit: Die Darstellung eines Richters mit Schwert machte deutlich, dass dieser das Recht hatte, Todesurteile auszusprechen und zu vollziehen.

Raum 3 "Faszinanition Schwert"

Schwerter in Kult und Religion

Religiös motivierte "kultische" Handlungen lassen sich für prähistorische Zeiten nur schwer nachweisen. Bei den meisten Fundsituationen kommen neben religiösen auch profane Hintergründe in Betracht. Vor allem die Verzierung mit glücksbringenden Symbolen sowie besondere Niederlegungsorte oder -arten stellen bronze- und eisenzeitliche Schwerter in einen magisch-kultischen Kontext. Ähnlich verhält es sich mit Accessoires oder Schmiedemustern an frühmittelalterlichen Schwertern, deren Vorhandensein ebenfalls nicht funktional bedingt ist. Das Schwert spielte jedoch nicht nur in vor- und frühchristlichen kultischen Praktiken eine wichtige Rolle. Die Bibel schildert es etwa als Sinnbild für das alles durchdringende Wort Gottes. In der christlichen Tradition ist das Schwert zudem das Attribut von Heiligen und Märtyrern.

Raum 4 "Faszinanition Schwert"

Ruhmreiches Ideal – grausame Realität

Zerteilte Knochen und gespaltene Schädel – im Kampf konnten Schwerter entsetzliche Wunden schlagen. Von Schrammen über tiefe Scharten bis hin zu abgetrennten Gliedmaßen und tiefen Stichwunden verursachten sie eine Vielzahl verschiedenartiger Verletzungen. Anthropologische Untersuchungen von Skeletten, aber auch mittelalterliche Bildquellen und Schlachtenbeschreibungen zeichnen ein deutliches Bild von der Schwere solcher Verletzungsmuster. Am häufigsten sind Hiebverletzungen nachgewiesen: Dies beruht zum einem auf der bevorzugten Kampfesweise, zum anderen darauf, dass Hiebe gegen Kopf und Gliedmaßen sich auf den Knochen gut abzeichnen. Nicht am Knochenmaterial ersichtlich, aber höchst gefährlich waren außerdem Schnitt- und Stichwunden im Bauchraum: Waren die Eingeweide einmal verletzt, bestanden nur geringe Überlebenschancen.

Raum 5 "Faszinanition Schwert"

Eine scharfe Waffe in der Propaganda

Mit dem Ende des Mittelalters verlor das Schwert weitestgehend seine Bedeutung als Kriegswaffe. Stattdessen spielte es nun zunehmend eine Rolle in der politischen Propaganda. Ob während der Konflikte des 16. und 17. Jahrhunderts zwischen Katholiken und Protestanten oder bei der Entstehung der heutigen Nationalstaaten im 19. Jahrhundert: Das Schwert stand stets für den ehrenhaften Kampf gegen das Böse sowie für die eigene Stärke. Diese Vorstellung war so tief verankert, dass der ritterliche Schwertkampf sogar noch während der beiden Weltkriege (1914–1918, 1939–1945) propagandistisch eingesetzt wurde, als die technisierte Kriegsführung das direkte Aufeinandertreffen der Gegner schon längst ersetzt hatte. Pazifistische Strömungen wiederum verteufelten das Schwert als Sinnbild für Gewalt. Die Zerstörung ebendieser Waffe wurde zum Symbol für die Forderung nach Frieden.

Raum 6 "Faszination Schwert"

Von Drachentötern und tapferen Jungfrauen

Das Schwert ist die bevorzugte Waffe der Helden. Manche Klingen tragen sogar Namen und verfügen über besondere Eigenschaften. Der Bericht heldenhafter Schwertkämpfe wird häufig in eine scheinbar heile Welt mit klarem Wertesystem versetzt. Mit dem Schwert erringt der Held darin den ultimativen Sieg über das Böse. Es ist dieses schlichte, Halt gebende und durch die Zeiten immer wiederkehrende Erzählmotiv, das die bis heute ungebrochene Faszination für heldenhafte Schwertträger ausmacht. Meist sind es männliche Helden, die sich im Schwertkampf auszeichnen. Wenn Frauen diese Waffe ergreifen, ist ihre Rolle nicht so eindeutig positiv besetzt. Der Mann wird oftmals jahrelang auf seine Aufgabe vorbereitet, die Frau hingegen wird meist in einer Konflikt- oder Grenzsituation dazu gezwungen.

Von der Waffe zur Ikone

Ob Machtsymbol der Herrscher, Abzeichen der Kriegereliten oder scharfe Klinge, die durch ihre schlichte Eleganz und die Aura der Gefahr besticht: Durch alle Zeiten hindurch war das Schwert mehr als nur eine Waffe. Doch mit dem Verschwinden von den Schlachtfeldern im 17. Jahrhundert ist es endgültig zur Ikone geworden. Geblieben ist das Ideal des ehrenhaften Kampfes, in dem das Gute siegt und das Böse fällt. In einer stets komplexer werdenden Welt lockt das Schwert durch das Versprechen eines klaren Ehrenkodexes, der für alle Probleme eine Lösung verspricht. Diese Geschichte ist es, die sich auch in zahllosen Produkten der Populärkultur wiederfindet, in Filmen, Computerspielen, Büchern oder Rollenspielen. Ob im Duell oder im Schlachtgetöse, ob auf der Leinwand oder im Rollenspiel: Wo Klinge auf Klinge trifft, wo wuchtige Hiebe den Schild des Gegners zersplittern lassen und wo am Ende der Tapferste und Kühnste siegt, ist die Spannung am größten und die Faszination unausweichlich.

Raum 8 "Faszination Schwert"

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