Adventskalender für

das Junge Schloss

Das Team des Landesmuseums Württemberg hat 24 passende Objekte aus seinen Sammlungen ausgewählt, um Sie auf das diesjährige Weihnachtsfest einzustimmen. Öffnen Sie jeden Tag ein Türchen und entdecken Sie unsere Kulturschätze!

1

„Die russische Großfürstin Olga Nikolajewna Romanowa heiratete 1846 den württembergischen Thronfolger und späteren König Karl. Außergewöhnlich schön, elegant, hoch gebildet und sozial engagiert, wurde sie schnell zum strahlenden Mittelpunkt des Stuttgarter Hoflebens. Sie feierte das orthodoxe Weihnachten in ihrer russischen Kapelle im Kronprinzenpalais, später im Neuen Schloss, bedingt durch den abweichenden Kalender zeitlich versetzt am 6. und 7. Januar.“


Kronprinzessin Olga von Württemberg, Franz Xaver Winterhalter, Stuttgart 1856.


Cornelia Ewigleben, Direktorin

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2

„Das Glasgemälde zeigt die Geburt Christi. Ungewöhnlich ist, dass nicht die für dieses Bildthema wichtigste Person, das Christuskind, in das Zentrum gesetzt wurde, sondern Maria. Betont wird die Gottesmutter durch ihr rotes Gewand, welches sich deutlich von dem helleren Untergrund abhebt. Die zum Gebet gefalteten Hände des Kindes sowie Josefs Gesten im oberen Bildrand weisen auf sie. Im Jungen Schloss lieben wir die Farben.“


Glasmalerei: Geburt Christi, aus dem Chor der Dominikanerkirche Wimpfen, um 1300.


Sabrina Biesinger und Franziska Mattlinger, Junges Schloss

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3

Mit der Eisenbahn erhielt die Mobilität im 19. Jahrhundert ganz neue Ausmaße und wurde auch als Spielzeug populär. Die ersten Spiellokomotiven wurden als Bodenläufer hergestellt, also ohne Schienen und ohne normierte Spurweite. Der Flaschnermeister Ludwig Lutz begann um 1850 mit der Herstellung von lackiertem Blechspielzeug und exportierte dieses erfolgreich in mehrere europäische Länder.


Bodenläufer-Zug, Firma Lutz, Ellwangen, um 1890 (Tender neu).


„Auch mein schönstes Weihnachtsgeschenk war eine Spielzeugeisenbahn, die ich als Kind unter dem Christbaum fand.“


Peter Schneider, Erster Vorsitzender der Gesellschaft zur Förderung des Landesmuseums Württemberg

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4

„Am 4. Dezember, dem Gedenktag der Heiligen Barbara, werden nach altem Brauch „Barbarazweige“ abgeschnitten, die dann bis Weihnachten blühen. Die Blüte im Winter soll Glück im kommenden Jahr bringen. Die Skulptur, die um 1450 in der Werkstatt Hans Multschers entstand, ist von einem neuartigen Streben nach Realitätsnähe geprägt. Für mich ist die in der Sammlung Dursch in Rottweil bewahrte Frauenfigur eines der eindringlichsten Menschenbilder des Spätmittelalters überhaupt.“


Skulptur: Heilige Barbara, Werkstatt Hans Multschers, um 1450.


Ingrid-Sibylle Hoffmann, Kunst- und Kulturgeschichte

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5

„Den geschmückten Weihnachtsbaum verbinden viele Menschen, abseits ihrer Religionszugehörigkeit, mit dem Winter. Die Motive des Baumschmucks sind vielfältig. So auch die Funktion des Buddhas im Lotussitz, der in zahlreichen nicht-religiösen Kontexten zu finden ist und abseits buddhistischer Religionsausübung häufig für Ruhe und Ausgleich steht. Dieser Buddha mit rotem Umhang und entblößtem Bauch ist als Faszination für das unbekannte Fremde und die Exotisierung orientalisch anmutender Gegenstände zu deuten.“


Christbaumschmuck „Buddha“, Glas, Kunststoff, erworben 2011 am Weihnachtsmarkt bei der Firma Regele und Sohn.


Raffaela Sulzner, Populär- und Alltagskultur

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6

„Hier wirft gerade Nikolaus von Myra eine goldene Kugel in das Zimmer von drei schlafenden Mädchen. Zwei weitere Goldklumpen liegen schon auf dem Bett. Mit dieser Mitgift bewahrte Nikolaus die Töchter einer armen Familie vor der drohenden Prostitution. Auch heute noch stecken wir am 6. Dezember heimlich Kugeln in Stiefel - Mandarinen, Schokolade oder Nüsse.“


Altarretabel, Werktagsseite: Szene aus dem Leben des Hl. Nikolaus, aus St. Nikolaus in Mistlau, Schwäbisch Hall, um 1505.


Katja Zech, Fundraising

 

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7

„Zur Erfolgsgeschichte der württembergischen Spielzeugindustrie trug auch die ab 1878 von Margarete Steiff in Giengen an der Brenz aufgebaute, gleichnamige Firma bei, die rasch expandierte. Vom Neffen der Firmengründerin stammt der Entwurf zum ersten Teddybären, der 1903 auf der Leipziger Messe vorgestellt und zum Exportschlager wurde. Bei einer Wohnungsauflösung in Alpirsbach berührte mich das mehrfach geflickte Exemplar des wohl sehr geliebten Kuscheltiers. Später erwies sich dann das museale Alter des Teddys.“


Teddy, Margarete Steiff GmbH, Giengen a. d. Brenz, zwischen 1906 und 1933.


Irmgard Müsch, Kunst- und Kulturgeschichte

 

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8

„Der Winter war und ist eine Zeit besonderer Freuden. Am württembergischen Hof frönte man seit der Barockzeit dem Schlittenfahren. Der Dianaschlitten zeigt die Göttin der Jagd mit der Anspielung auf eine höfische Lustbarkeit, die Jagdleidenschaft der Herzöge und ihres Gefolges. Beim Schlittenfahren saß die Dame auf der gepolsterten Bank im Kasten, der Kavalier hinter ihr auf der Sitzpritsche. Er lenkte mit den Zügeln das vorgespannte Pferd.“


Prunkschlitten „Diana“ des Herzogs Eberhard Ludwig von Württemberg, Giorgio Ferretti zugeschrieben, Stuttgart, um 1720.


Olaf Siart, Kunst- und Kulturgeschichte

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9

„In unserer Region befinden sich viele Burgruinen, die einst zur Zeit der Staufer erbaut wurden. Wie diese im 12. und 13. Jahrhundert vermutlich ausgesehen haben, wurde im Kindermuseum Junges Schloss anhand eines Modells aus Holz erklärt, das Kinder selbst zusammensetzen konnten. In der Ausstellung beschäftigten sich auch Eltern und Großeltern mit dieser Station! Kein Wunder, diese besonderen Bauklötze weckten auch bei mir Kindheitserinnerungen.“


Holzmodell einer Burg, hergestellt für die Mitmachausstellung „Die Ritter. Leben auf der Burg“, 2017.


Christoph Fricker, Junges Schloss

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10

„Dieser Liedbeleg ist eine vom Sammler Friedrich H. Schmidt aufgezeichnete Parodie des 1819 von einer enttäuschten Liebe handelnden Liedes von Joachim A. Zarnack. Der immergrüne Tannenbaum dient als Symbol für Beständigkeit und Treue. 1824 erweiterte der Leipziger Lehrer Ernst Anschütz das Lied für sein „Musikalisches Schulgesangbuch“ mit Bezug zur Geburt Jesu. Der im 20. Jahrhundert immer beliebter werdende Brauch des geschmückten Weihnachtsbaums machte das Lied populär. Heute zählt es zu den bekanntesten Weihnachtsliedern in Deutschland.“


Liedbeleg „O Tannenbaum“, 1. Hälfte 20. Jahrhundert


Sabine Zinn-Thomas, Landesstelle für Volkskunde

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11

„Die Darstellung zeigt die Idealform des bürgerlichen Weihnachtsfests: die Familie vereint um den Weihnachtsbaum, gemeinsam musizierend und die Kinder freuen sich über zahlreiche Geschenke. Erhöht wird die Darstellung dadurch, dass es sich um die Familie Martin Luthers handelt. Damit diente dieses Bild im 19. Jahrhundert und für lange Zeit des 20. Jahrhunderts als Vorbild für protestantische Familien, wie Weihnachten auszusehen hat.“


Druck: Luther mit seiner Familie am Weihnachtsabend, 1. Viertel 20. Jahrhundert.


Markus Speidel, Populär- und Alltagskultur

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12

„Von ihrem ersten Lebensjahr an erhielt Prinzessin Sophie zu jedem Christfest und zu jedem Geburtstag von ihrer Familie Silbergeschirr für die spätere Mitgift. Um die Rolle einer Gastgeberin perfekt zu erlernen, besaß sie silbernes Kindergeschirr. Wie die Anzahl der Löffel zeigt, konnte die kleine Prinzessin bis zu zwölf Personen zum Tee bitten. Das hat mir als Kind auch immer Spaß gemacht!“


Kindergeschirr der Prinzessin Sophie, einer Tochter Wilhelms I. mit Königin Katharina, Wilhelm Friedrich Banzhaf (1802–1870), Ludwigsburg, um 1825.


Nina Gruber, Junges Schloss

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13

„Römische Porträts gaben nicht das tatsächliche Aussehen des Dargestellten wieder, sondern bildeten der Öffentlichkeit zu vermittelnde Vorstellungen ab und dienten der Hervorhebung von Leistung und Rang. Der in der Weihnachtsgeschichte erwähnte Kaiser Augustus (reg. 27 vor – 14 nach Christus) erscheint in seinen Bildnissen in altersloser Erhabenheit; klassische Formen sind der Ausdruck eines hochstilisierten politischen Habitus, der Würde und Autorität ausstrahlen sollte.“


Porträt des Augustus, Anfang 1. Jahrhundert n. Chr.


Nina Willburger, Archäologie

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14

„Dieser Tischautomat diente im 17. Jahrhundert auf Festtafeln als Trinkspiel. Er gehörte zu den Stammkleinodien des Hauses Württemberg und durfte daher nicht verkauft werden. Im 18. Jahrhundert waren diese Trinkspiele nicht mehr in Mode und so wurde er zum Geschenk innerhalb der Familie. Die kleine Prinzessin Auguste Elisabeth (1734-1787), eine Schwester Carl Eugens, erhielt die Schildkröte 1737 als Weihnachtsgeschenk.“


Schildkrötenpokal: Spielautomat in Form einer Schildkröte, wohl Leodegar Grimaldo (nachgewiesen 1601–1638), 1630.


Katharina Küster-Heise, Kunst- und Kulturgeschichte

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15

„Dieses Schiedmayer-Tafelklavier gehörte dem Komponisten und Pädagogen Friedrich Silcher (1789-1860), Autor der Melodie von „Alle Jahre wieder“. Ganz gewiss spielte er darauf sein berühmtes Weihnachtslied. Von 1815 bis 1817 wohnte Silcher in Stuttgart bei seinem Freund Lorenz Schiedmayer in der Charlottenstraße 4, wo er 1809 seine Klavierbauwerkstatt öffnete. Das Geschäft blühte auf und Schiedmayer wurde im 19. Jahrhundert zu einem der wichtigsten Klavierproduzenten Deutschlands.“


Tafelklavier von Schiedmayer & Söhne, Stuttgart, 1846.


María del Mar Alonso Amat, Kunst- und Kulturgeschichte

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16

„Dieses Täfelchen aus Elfenbein zeigt das Christuskind umringt von Maria und Josef, Ochse und Esel, dem heiligen Geist in Form einer Taube und zwei Engeln. Statt in einer Futterkrippe liegt das Kind auf einer Art Tisch, dessen reiche Ornamentik an einen Altar erinnert. Besonders innig wirkt die Beziehung zwischen Mutter und Kind: Maria hält Christus sanft mit einer Hand, die Köpfe sind einander zugewandt. Gut 800 Jahre ist die Darstellung alt und damit trotzdem näher an unserer Zeit als an der Geburt Christi am konstruierten Nullpunkt der Zeitrechnung.“


Elfenbeintäfelchen: Geburt Christi, Bamberger Werkstatt, 1230.


Ida Schneider, Junges Schloss

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