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ForschungBasis der Museumsarbeit

Forschung erzeugt Wissen und wissenschaftliches Arbeiten gehört zu den zentralen Aufgaben eines Museums.

Ausgehend von seinen Objektbeständen führt das Landesmuseum Württemberg zahlreiche Forschungsprojekte durch, die vielfach interdisziplinär angelegt sind und teilweise mit internationalen Kooperationspartnern verwirklicht werden. Die wissenschaftlichen Methoden umfassen kulturhistorische Fragestellungen ebenso wie technologische und naturwissenschaftliche Untersuchungen.

Die in den Forschungsprojekten des Landesmuseums Württemberg gewonnenen Erkenntnisse werden der Öffentlichkeit in Ausstellungen, Publikationen, museumspädagogischen Aktionen und Vorträgen zur Verfügung gestellt.

LaufendeProjekte

LGM online

Erschließung und digitale Präsentation von Objekten des ehemaligen Landesgewerbemuseums 

Vom 1. Mai bis zum 31. Dezember 2021 fördert die Bundesbeauftragte für Kultur und Medien (BKM) unter dem Titel „Zielgerichtete Digitalisierungsförderung bei Kultureinrichtungen aus dem Netzwerk der Deutschen Digitalen Bibliothek“ das Projekt „LGM online“, das sich der Erschließung und digitalen Präsentation von 4.000 Objekten aus dem ehemaligen Württembergischen Landesgewerbemuseum in Stuttgart widmet.

Vor 125 Jahren erhielt diese Institution in Stuttgart ein prachtvolles Gebäude, das heute das Haus der Wirtschaft Baden-Württemberg beherbergt. Dort wurde eine überregional ausgerichtete Sammlung zusammengetragen, bewahrt und ausgestellt, die als Vorbild für Industrie und Kunsthandwerk in Württemberg diente. 

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Sammlungsbestände des Landesgewerbemuseums nicht erneut der Öffentlichkeit in einer eigenen Institution präsentiert, sondern in den 1960er Jahren an die Staatlichen Museen Baden-Württembergs verteilt. Das Landesmuseum Württemberg, übernahm rund 40.000 Objekte des ehemaligen Landesgewerbemuseums, darunter die viel beachtete „Sammlung der Geschmacksverirrungen“.

Mit den Mitteln des bewilligten Projekts „LGM online“ sollen ausgewählte Konvolute der ehemaligen Sammlung des Landesgewerbemuseums, insgesamt circa 4.000 Objekte, digital erfasst und veröffentlicht werden.

ARCHIVALIEN LANDESGEWERBEMUSEUM (LGARCH)

Erschließung der Archivalien des Stuttgarter Landesgewerbemuseums, des Landesgewerbeamts und ihrer Vorgängerinstitutionen (LGArch)

Am 6. Juni 1896 weihte König Wilhelm II. von Württemberg in Stuttgart das neu errichtete Landesgewerbemuseum ein. Das Museum, heute das „Haus der Wirtschaft“, beherbergte eine Mustersammlung unterschiedlichster Produkte, die der württembergischen Industrie ausländische Vorbilder und neue technische Entwicklungen vor Augen führte, andererseits aber auch auswärtigen Gästen die Erzeugnisse der heimischen Firmen präsentierte. Neben reichen kunsthandwerklichen Beständen aller Gattungen und Epochen, die als positives Vorbild dienen sollten, gab es mit der „Sammlung der Geschmacksverirrungen“ auch eine Kollektion negativer Vorbilder, die sich großer Beliebtheit beim Publikum erfreute.

Nach dem Zweiten Weltkrieg endete die museale Nutzung des Gebäudes, die während des Kriegs eingelagerten Sammlungsbestände wurden in den 1960er Jahren an die Staatlichen Museen Baden-Württembergs verteilt. So erhielt das Landesmuseum Württemberg rund 40.000 kunsthandwerkliche Objekte vom Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert, wie einen Giraffenflügel, eine Deckelterrine in Gestalt eines Truthahns oder eine Sockeluhr.

Diese wichtigen Bestände stehen im Zentrum eines Forschungsprojekts am Landesmuseum Württemberg, das dank der großzügigen Unterstützung der Stiftung Kulturgut Baden-Württemberg realisiert werden kann. Von November 2019 bis April 2022 erfasst Herr Dr. Carl-Jochen Müller die schriftlichen Unterlagen zum Stuttgarter Landesgewerbemuseum, Landesgewerbeamt und ihrer Vorgängerinstitutionen. Im Staatsarchiv Ludwigsburg, im Hauptstaatsarchiv Stuttgart und im Haus der Wirtschaft lagern über 200 Regalmeter mit Unterlagen.

Ziel dieser Erschließung ist das Erstellen eines Findbuchs mit Verschlagwortung und die Anlage eines sachthematischen Inventars. Diese Aufbereitung der Archivalien wird die Basis für eine umfassende Erforschung des Stuttgarter Landesgewerbemuseums bieten.

Blog-Beiträgezum Projekt

Von Kruzifixen und Brillengestellen. Die Inventare des Landesgewerbemuseums

150 Jahre ist es her, dass im Königreich Württemberg ein sogenanntes Musterlager eingerichtet wurde, welches später in Landesgewerbemuseum umbenannt wurde. Die Einrichtung sollte Gewerbe und Handel in Württemberg unterstützen, war das Land um 1850 doch hauptsächlich landwirtschaftlich geprägt. mehr

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Muster und Monstrositäten

Im Landesarchiv beginnen Basisarbeiten zur Geschichte des Landesgewerbemuseums: Seit dem 1. November 2019 erschließt Dr. Carl-Jochen Müller im Rahmen eines von der Stiftung Kulturgut Baden-Württemberg geförderten Projekts das in Ludwigsburg und in Stuttgart archivierte Schriftgut zum ehemaligen Landesgewerbemuseum, mehr

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Bestandskatalog mittelalterlicher Skulpturen

Bestandskatalog „Die mittelalterlichen Skulpturen. Bd. 3: Stein- und Holzskulpturen 1400-1530, Niederschwaben und außerschwäbische Gebiete“

Der rund 450 Objekte umfassende Bestand mittelalterlicher Skulpturen gehört zu den national und international bedeutenden Sammlungsbereichen des Landesmuseums Württemberg. Die Sammlung umfasst Bildwerke aus Holz – hierzu werden neben Einzelfiguren und Figurenensembles auch 20 weitgehend erhaltene Altarretabel gezählt –, Skulpturen aus Stein sowie Tonplastiken. Die meisten Objekte stammen aus Kirchen im heutigen Württemberg und/oder wurden in Württemberg angefertigt, aber auch Werke aus anderen Regionen, unter anderem aus Franken, Bayern und Tirol, zählen zur Sammlung. 

Die systematische kunsthistorische und technologische Untersuchung des wichtigen Sammlungsbestands sowie die Veröffentlichung dieser Forschungen werden seit vielen Jahren von Kunsthistoriker*innen und Restaurator*innen des Landesmuseums gemeinsam vorangetrieben. Nach den 1989 und 2007 erschienenen ersten beiden Bestandskatalogen „Die mittelalterlichen Skulpturen“, welche die Werke der Zeit von 800 bis 1400 (Bd. I) sowie die zwischen 1400 und 1530 in Ulm, Oberschwaben und dem Allgäu entstandenen Skulpturen (Bd. II) erfassen, werden derzeit die Skulpturen aus Neckarschwaben und die außerhalb Schwabens entstandenen Objekten untersucht. Die Bearbeitung und Veröffentlichung dieses Bestandes von rund 200 Objekten bildet den Abschluss des langjährigen Forschungs- und Publikationsprojektes zur Sammlung mittelalterlicher Skulpturen am Landesmuseum Württemberg. 

Einen Kernbestand des laufenden Projektes bildet mit rund 100 Objekten die Bildhauerei und Bildschnitzerei Neckarschwabens, mit unter anderem aus Stuttgart, Urach, Esslingen und Rottweil stammenden qualitätsvollen Werken aus Stein und Holz. Weitere Schwerpunkte sind Bildwerke und Altarretabel aus Württembergisch Franken sowie aus Franken. Darüber hinaus werden Objekte aus weiteren Regionen vorgestellt, unter anderem aus dem Oberrheingebiet, aus (Süd-)Tirol, Bayern, Wien und Flandern. Unter den behandelten Objekten sind einige künstlerisch herausragende Werke, etwa von Tilman Riemenschneider und Jakob Kaschauer, sowie ein überregional bedeutender Bestand von 16 weitgehend komplett erhaltenen Altarretabeln. 

Die Veröffentlichung der kunsthistorischen und technologischen Untersuchungen der Werke erfolgt Open Access über die Sammlung Online des Landesmuseums Württemberg. Als erstes Konvolut wurden im Jahr 2020 zwölf Objekte aus Schwäbisch Hall, eine Untergruppe innerhalb der Kunstlandschaft Württembergisch Franken, veröffentlicht. Die kunsthistorische Bearbeitung dieser Objekte übernahm Karl Halbauer. Die technologischen Untersuchungen verfassten Roland Hahn, Bernadette Henke, Elisabeth Krebs, Wolff-Hartwig Lipinski und Ulrike Palm. Die Objektfotografien verantwortete der Fotograf des Landesmuseums, Hendrik Zwietasch. Die Redaktion erfolgte durch Kolleg*innen der Fachabteilung Kunst- und Kulturgeschichte, Ingrid-Sibylle Hoffmann, Matthias Ohm und Olaf Siart. Die Online-Stellung lag in den Händen von Noreen Klingspor und Chris Gebel.

 

Katalog "Mittelalterliche Skulpturen", Bd. 3, Teil 1, Schwäbisch Hall (PDF)

Wissenschaftliche Instrumente

Wissenschaftliche Instrumente der Sammlung der Fürsten von Fürstenberg

1994 gelangte eine herausragende Sammlung wissenschaftlicher Instrumente in das Landesmuseum Württemberg. Die etwa 30 Astrolabien, Sonnenuhren, Globen und Winkelmessinstrumente stammen aus dem Besitz des Hauses Fürstenberg, Donaueschingen.

Da die Instrumente bis zum Ankauf im Privatbesitz waren, sind sie in der Forschung nicht bekannt. Allein zehn hochqualitative Instrumente tragen die Signatur von Erasmus Habermel, der um 1600 am Hof Rudolf II. in Prag tätig war und zu den berühmtesten Instrumentenmachern seiner Zeit gehörte. Ein weiteres Highlight ist eine Kippregel, die Ulrich Schniep 1580 herstellte.

Im Rahmen eines Forschungsprojektes werden durch Dr. Irmgard Müsch und Dr. Jürgen Hamel nun sämtliche Instrumente erfasst, erforscht, beschrieben, eingeordnet und im Rahmen eines Bestandskatalogs publiziert.

Numismatischer Verbund

Numismatischer Verbund in Baden-Württemberg (NV BW)

Das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst des Landes Baden-Württemberg legte im Jahr 2015 einen Strukturfonds auf, der die „kleinen Fächer“ im Land gezielt fördern sollte. Zu den kleinen Fächern zählt auch die Numismatik, die Wissenschaft, die sich mit den Münzen und dem Geldwesen befasst. Um sie nachhaltig zu stärken, schlossen sich zehn Einrichtungen zum Numismatischen Verbund in Baden-Württemberg (NV BW) zusammen:

  • das Badische Landesmuseum in Karlsruhe
  • das Archäologische Landesmuseum in Konstanz mit dem Zentralen Fundarchiv in Rastatt
  • die Reiss-Engelhorn-Museen in Mannheim
  • das Landesmuseum Württemberg in Stuttgart
  • das Landesamt für Denkmalpflege in Esslingen s
  • die Universität Freiburg
  • die Universität Heidelberg
  • die Universität Konstanz
  • die Universität Mannheim
  • die Universität Stuttgart.

 

Der Numismatische Verbund treibt die Numismatik im Land auf fünf Themenfeldern voran:

1. Lehre und Vermittlung
Mit Hilfe praxisorientierter und qualitativ hochwertiger numismatischer Lehre, einem numismatischen E-learning-Portal sowie einem breiten Praktikumsangebot bei den verschiedenen Partnern soll dringend benötigter wissenschaftlicher Nachwuchs herangezogen werden.

2. Gemeinsame Forschungsaktivitäten

Zukünftig sollen bedeutende Neufunde und herausragende Sammlungsbestände wieder regelmäßig publiziert sowie gemeinsame Forschungsaktivitäten des Verbundes initiiert werden.

3. Numismatische Sammlungen (museal und universitär)

Langfristig sollen alle numismatischen Bestände des Verbundes digitalisiert und im epochenübergreifenden numismatischen Portal des NV BW auch für die Öffentlichkeit sichtbar gemacht werden.

4. Fundmünzenbearbeitung

Die momentan noch ausgelagerte Fundmünzenbearbeitung soll langfristig zurück nach Baden-Württemberg geholt werden. Die Bestimmung und Digitalisierung der Münzen erfolgt dann verbundintern, die Münzen werden ebenfalls im numismatischen Portal des NV BW zugänglich gemacht.

5. Wissenstransfer

Durch die Website des Verbundes mit ihrer Praktikums- und Stellenbörse, dem Newsticker, der numismatischen Themenbörse etc., durch geplante Ausstellungsprojekte und gezielte Öffentlichkeitsarbeit soll die Numismatik mehr in den öffentlichen Fokus gerückt werden.

 

Projekte im Landesmuseum

Im Landesmuseum Württemberg konnten mit Mitteln des Numismatischen Verbunds Nachwuchsnumismatikerinnen und -numismatiker beschäftigt werden, die über 2.500 Münzen und Medaillen erfassten und für die digitale Präsentation vorbereiteten: Isabel Kimpel, Frederic Menke, Sophie Preiswerk, Vivien Schiefer, Kathleen Schiller, Nicolas Schmitt, Caroline Schmuck und Maren Volk bearbeiteten mehrere württembergische Münzschätze aus dem 16. und 17. Jahrhundert, Münzen und Medaillen geistlicher Herrschaften in Württemberg, Medaillen auf württembergische Personen und Napoleon sowie Prägungen aus der Zeit des Ersten Weltkriegs.

Alle Blog-Beiträgezum Münzkabinett

Zwei Outfits und 28 Medaillen

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Abgesagt, verschoben – und doch ein Jubiläumsband! Jubiläen in Corona-Zeiten

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Kreuzer und Kreuzgang

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Zwei von 99

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Numismatische Höhenunterschiede – und wie wir sie überwunden haben

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AbgeschlosseneProjekte

2017 - 2021: Restaurierung Lichtensterner Altarretabel

Sammlungsprojekt rund um die Restaurierung des Lichtensterner Altaraufsatzes

Das Landesmuseum Württemberg bewahrt eine überregional bedeutende Sammlung weitgehend erhaltener spätmittelalterlicher Altarraufsätze. Der älteste großformatige Flügelaltar der Sammlung, das Hochaltarretabel aus dem Zisterzienserinnenkloster Lichtenstern, war dem Publikum seit Langem aufgrund seines fragilen Zustandes nicht zugänglich. Um das höchst interessante Exponat ab Herbst 2021 in die Schausammlung LegendäreMeisterWerke integrieren zu können, wurde das Altarretabel Dank der Förderung der Ernst von Siemens Kunststiftung von 2017 bis 2021 erforscht und aufwändig restauriert.

Das Lichtensterner Altarretabel kann nach Niederschwaben oder Württembergisch Franken lokalisiert und durch die Darstellung der Stifterin, Äbtissin Margarete von Stein (†1469), auf um 1465/70 datiert werden. Der außergewöhnlich monumentale Flügelaltar markiert den Auftakt einer Produktion anspruchsvoller Altarretabel in dieser Region und zeugt davon, dass es im 15. Jahrhundert neben Ulm weitere potente künstlerische Produktionsstätten im heutigen Württemberg gab. Das mariologische Bildprogramm mit der Darstellung der Marienkrönung im Schrein und freudvollen beziehungsweise leidvollen Szenen aus dem Marienleben auf den Drehflügeln ist auf den Verwendungskontext in einem Zisterzienserinnenkloster zugeschnitten. 

Das Restaurierungsprojekt begann 2017 mit der umfangreichen fotografischen Dokumentation des Vorzustandes, der Kartierung des technologischen Befundes, des Schadensbildes und der in der Vergangenheit durchgeführten Maßnahmen. Im Anschluss wurden einzelne Bestandteile mittels bildgebender Untersuchungsmethoden (UV, IRR und Röntgen) analysiert. Es erfolgten holzanatomische Untersuchungen sowie Faser- und Pigmentanalysen in Zusammenarbeit mit der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart. Durch die zeichnerische Übertragung des im Schreinhintergrund gravierten Musters konnten Vergleichsobjekte in Süddeutschland und in der Schweiz identifiziert werden. Ferner trat durch die Objektanalysen eine Besonderheit des Altarretabels zutage: Die obere Hälfte der Predella war aufklappbar und zeigte bei geöffneten Flügeln die Heilige Ursula und ihre Gefährtinnen, wohl um die Präsentation entsprechender Reliquien bildlich zu begleiten. 

Flankierend zur technologischen Analyse und Restaurierung werden im Zuge des Projektes die bislang kaum erforschten Tafelbilder kunsthistorisch eingeordnet und die kulturhistorischen Rahmenbedingungen des anspruchsvollen Bildprogrammes – insbesondere auch der ungewöhnlichen Predella-Gestaltung – untersucht. Außerdem wurde ausgehend vom Lichtensterner Altarretabel ein neuartiges Kulturvermittlungsprojekt entwickelt: Seit Februar 2019 können die Besucher*innen der Schausammlung „LegendäreMeisterWerke“ durch einen Virtual-Reality-Film, in dessen Mittelpunkt die Auftraggeberin Margarete von Stein sowie die mit der Anfertigung des Altarretabels betrauten Handwerker stehen, ins Spätmittelalter eintauchen. 

Blog-Beiträgezum Projekt

Schicksalsjahrhunderte eines Altaraufsatzes

Der Lichtensterner Altar vor seiner Zeit als Museumsobjekt Auf dem linken Standflügel des Altaraufsatzes aus dem Zisterzienserinnenkloster Lichtenstern, kniet zu Füßen des Hl. Hieronymus eine weibliche Gestalt: Äbtissin Margarete von Stein (im Amt 1444–1469), die Stifterin des monumentalen mehr

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Das Pressbrokat – eine aufwändige Verzierungstechnik der Gotik

Brokat ist ein kostbarer Seidenstoff, in den Gold- oder Silberfäden eingewebt sind. Diese kostbaren Stoffe waren im Mittelalter für Gewänder des gehobenen Bürgertums, bei geistlichen und bei weltlichen Fürsten sehr beliebt. Außerdem wurden sie als Wandbehang und in mehr

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Sieht doch alles gleich aus? Holzanatomische Bestimmung von Mikroschnitten

Im Rahmen des Forschungsprojektes zum Altar aus Kloster Lichtenstern untersuchen wir auch die Hölzer an Skulpturen, Flügeltafeln, Altarschrein, Predella und Zierrat. Wir wollen mehr über die Holzvielfalt an Schnitzaltären und deren Auswahl durch mittelalterliche Bildhauer und Schreiner wissen. mehr

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Ich sehe was, was du nicht siehst! Infrarotuntersuchungen an Kunstwerken

Wird ein Kunstwerk untersucht, so geschieht dies zunächst mit ganz gewöhnlichem, sichtbarem Licht. Es wird mit einer Tageslichtlampe angestrahlt und mit einer kleinen Handlampe aus verschiedenen Positionen mit Streiflicht abgeleuchtet. So eine Untersuchung zeigt allerdings manchmal nicht alles, mehr

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#lmwmittelalter – Alltagsdinge für und von euch

In den letzten 20 Wochen teilten wir auf Facebook unter dem Hashtag #lmwmittelalter unsere Faszination für Objekte aus dem Spätmittelalter. Eure Posts in Bild und Text haben dabei unsere Mittelaltersammlung lebendig werden lassen: Was trug man auf dem mehr

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2020: Werkverzeichnis Victor Huster Medaillen

Medaillen von Victor Huster – Vorbereitungen für ein Werkverzeichnis

Der Medailleur und Münzgestalter Victor Huster wurde am 8. Januar 1955 in Baden-Baden geboren. Nach einer Ausbildung zum Goldschmied in Pforzheim richtete er 1977 in seiner Geburtsstadt eine Prägeanstalt ein. Für seine Werke erhielt Victor Huster viele Preise, darunter den Deutschen Medailleurspreis „Johann Veit Döll“.

Viele Medaillen Husters sind kulturellen und historischen Ereignissen und Personen gewidmet, darunter auch die Jubiläumsmedaille zum 150. Geburtstag des Landesmuseums.

Gefördert von Gitta Kastner-Stiftung konnten die rund 700 Werke Husters, die im Münzkabinett des Landesmuseums aufbewahrt werden, erfasst und digital veröffentlicht werden.

Blog-Beiträgezum Projekt

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Zwei von 99

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2016 - 2017: Katalog der Sonnenuhren

Bestandskatalog aller 120 Sonnenuhren

Von 2016 bis 2017 erforschten der Astronomiehistoriker Dr. Jürgen Hamel und die Sammlungsleiterin Dr. Irmgard Müsch den umfangreichen Bestand eigenständiger Sonnenuhren im Landesmuseum Württemberg. Alle 120 Stück wurden im Rahmen eines klassischen Bestandskataloges erfasst, vermessen, beschrieben und eingeordnet. Auch konservatorisch wurden die Stücke gesichtet und versorgt sowie anschließend fotografiert.

Anfang 2018 erschien der Bestandskatalog als Printpublikation in der Reihe ‚Acta Historica Astronomiae‘, die im Leipziger Universitätsverlag erscheint, als Band 63. Einige Monate später wurden die Bestände auch digital veröffentlicht und sind in der Sammlung Online des Museums abrufbar. Ausgewählte Beispiele sind im Uhrengewölbe des Landesmuseums zu besichtigen.

Blogbeitrag zum Projekt

2012 - 2015: Kunstkammer der Herzöge von Württemberg

Erforschung von Bestand, Geschichte und Kontext

Die Kunstkammer der Herzöge von Württemberg​ ​​​​​​gehört mit über 4.000 erhaltenen Objekten zu den bedeutendsten historischen Kunstkammern Europas und zeichnet sich durch eine besonders dichte Überlieferung aus. Erstmals wird die Kunstkammer in der Regierungszeit Herzog Friedrichs I. (1593–1608) erwähnt.

Neben kostbaren kunsthandwerklichen Arbeiten umfasste die Sammlung Exotica aus fernen Ländern, eine Fülle an kuriosen Dingen, präparierte Tiere, magische Gegenstände sowie Bronzen, Uhren, Miniaturen, Modelle von Arbeitsgeräten und vieles mehr. In dieser Vielfalt stellte die Kunstkammer eine Enzyklopädie von Objekten dar, in der alle Bereiche der Welt, von Menschen Geschaffenes ebenso wie Zeugnisse der Natur, vertreten sein sollten.

Die Förderung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft in den Jahren 2012 bis 2015 ermöglichte eine systematische Erschließung der Bestände und die Rekonstruktion der Sammlung. Durch die Zuordnung der erhaltenen Objekte zu den vornehmlich im Hauptstaatarchiv Stuttgart befindlichen alten Inventaren konnten unter anderem der jeweilige Eingang in die Kunstkammer sowie die sich teils im Laufe der Zeit wandelnde Verortung innerhalb der Sammlung rekonstruiert werden. Durch intensive Quellenstudien wurden ferner die Rahmenbedingungen für die Entstehung und Entwicklung der Württembergischen Kunstkammer untersucht. Im Fokus standen deren Bedeutung und repräsentative Funktion für die jeweiligen Herrscher. Gefragt wurde nach Sammlungsstrategien, möglichen landeskundlichen Bezügen sowie nach ihrer kommunikativen Funktion im Hinblick auf den Austausch von Geschenken und den kulturellen Transfer zwischen europäischen Fürstenhöfen.

Die Forschungsergebnisse wurden in einer mehrteiligen Buchpublikation und auf digitalem Wege der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Die 2017 veröffentlichte wissenschaftliche Publikation enthält neben einführenden Beiträgen zur Geschichte und zum Kontext der Württembergischen Kunstkammer je einen Essay zu den verschiedenen Sammlungsbereichen und stellt rund 400 Objekte in 337 Katalognummern vor. Die dreibändige Publikation ist seit 2019 kostenlos digital abrufbar unter:

Alle Stücke, die sich in der Sammlung Landesmuseums Württemberg erhalten haben, sind in der Sammlung Online veröffentlicht. Darüber hinaus wird die Transkription der Kunstkammerinventare von Johann Schuckard aus dem frühen 18. Jahrhundert online zur Verfügung gestellt.

Die Erfassung und Bearbeitung der Kunstkammer-Objekte im Bestand des Landesmuseums Württemberg bildete darüber hinaus die Grundlage für eine zeitgemäße Neupräsentation der Kunstkammer im Rahmen der Schausammlung Wahre Schätze. Antike • Kelten • Kunstkammer, die im Mai 2016 feierlich eröffnet wurde.

Blog-Beiträgezur Kunstkammer

Rot wie der Stein der Weisen: das Rubinglas

Rubinglas ist rundum ein Faszinosum. Im 17. Jahrhundert genoss das blutrote, brillante Glas einen besonderen Stellenwert. Es war begehrter Luxusartikel, sollte Kraft verleihen und eine heilsame Wirkung auf den Betrachter ausüben. Von dem Alchimisten und Glasmacher Johann Kunckel mehr

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Gerade noch geschafft! Objekte auf Reisen…

Puh, eine aufregende Reise nach New York liegt hinter uns! Doch von vorne: Im Oktober 2019 sind wir zu viert im Alten Schloss in Stuttgart aufgebrochen, um die grandiose Ausstellung „Making Marvels“ im Metropolitan Museum zu bereichern. Und mehr

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Stank die Kunst- und Wunderkammer?

Der „pfeiferauchende Bauer mit heruntergelassener Hose“ diente als Wahrzeichen der herzöglichen Kunstkammer. Als solches ließ Herzog Eberhard III. die Bronzefigur tatsächlich in seine Kunstkammer stellen. So heißt es in einer Notiz des Kammerschreibers Johann Mayer aus dem Jahr mehr

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Wieder Wunder in der Kunst- und Wunderkammer

Als eines der letzten seiner Art hatte es sich gut versteckt, unser „Einhorn“ aus der Kunstkammer der Herzöge von Württemberg. Ganz unten, ganz hinten im Schrank für Elfenbein in unserem Depot. Es wollte sich nicht zeigen, mied die mehr

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Schlossgespenster auf Monsterjagd in der Kunstkammer

Gleich an zwei Nachmittagen im September wurde der sonst eher ruhige Museumsbetrieb im Alten Schloss jäh gestört. 20 Kinder, alle Mitglieder des Clubs „Die Schlossgespenster“, stürmten im Alten Schloss die Kunstkammer der württembergischen Herzöge. Eine Monsterjagd stand auf mehr

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2008: Koptische Textilien

Digitaler Bestandskatalog der koptischen Textilien

Das Landesmuseum Württemberg besitzt eine herausragende Sammlung an koptischen Textilien. Bei den rund 100 Objekten der Stuttgarter Sammlung handelt es sich um Kleidungsstücke und Ausstattungstextilien, die etwa zwischen dem 3. und 10. Jahrhundert in Ägypten hergestellt wurden.

Der Bestandskatalog gibt Aufschluss über die Sammlung, sowie über Verwendung, Kontext und technische Daten der einzelnen Textilien.

Bestandskatalog "Koptische Textilien" (PDF)

ProvenienzforschungKunst und Kultur und ihre Provenienz

Im Landesmuseum Württemberg werden die Bestände der Abteilung Kunst und Kultur auf ihre Provenienzen hin untersucht. Die Recherchen werden eingespeist in die interne Dokumentation des Bestandes. Sofern die Provenienzforschung zu dem Ergebnis führt, dass sich unrechtmäßig erworbenes Kulturgut im Hause befindet, wird das entsprechende Objekt  unter Geklärte Fälle und auf der Website des Deutschen Zentrum Kulturgutverluste veröffentlicht. Im Einzelfall werden auch Erben gesucht und angesprochen.

Aufgabe der Provenienzforschung

Provenienzforschung in Deutschland und am Landesmuseum Württemberg

Die Provenienzforschung beschäftigt sich mit der Herkunft der Kunstwerke. Sie konzentriert sich dabei insbesondere auf die Zeit von 1933 bis 1945 und prüft, ob in dieser Zeit möglicherweise ein aus heutiger Sicht unrechtmäßiger Besitzwechsel stattgefunden hat.

Die Provenienzforschung an den Museen ist ein sehr junger Forschungszweig. Im Dezember 1998 wurden auf der „Holocaust Era Assets“ Konferenz in Washington 11 Prinzipien über den Umgang mit „Raubkunst“ verabschiedet. Die kulturellen Institutionen der unterzeichnenden Staaten, zu denen auch die Bundesrepublik Deutschland gehört, verpflichteten sich, ihre Bestände auf so genannte „Raubkunst“ hin zu überprüfen und gegebenenfalls eine „faire und gerechte Lösung“ zu finden, unabhängig von eventuellen juristischen Verjährungsfristen.

1999 bekräftigten die Bundesregierung, die Länder und die kommunalen Spitzenverbände in der Berliner Erklärung diese Forderung, die seitdem als freiwillige Selbstverpflichtung allgemein anerkannt wird. Allerdings fehlten vielen Museen die finanziellen Mittel, um diese zusätzliche Aufgabe zu leisten.

2008 wurde deshalb die „Arbeitsstelle für Provenienzforschung“ mit Sitz in Berlin eingerichtet, die am „Institut für Museumsforschung“ angesiedelt ist und vom Bund finanziert wird. Mit Hilfe der Arbeitsstelle für Provenienzforschung“, die 2015 im Deutschen Zentrum Kulturgutverluste aufging, sowie des Landes Baden-Württemberg konnte 2009 eine Stelle für Provenienzforschung eingerichtet werden. Seit 2013 wurde diese Stelle ausschließlich mit Mitteln des Landes Baden-Württemberg finanziert. Frau Dr. Anja Heuß, die diese Stelle innehatte, arbeitete bis 2014 sowohl im Landesmuseum Württemberg als auch in der Staatsgalerie Stuttgart.

Seit April 2021 ist Frau Malena Alderete als Provenienzforscherin am Landesmuseum Württemberg tätig. Finanziert vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste und vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst des Landes Baden-Württemberg, bearbeitet sie zwei aktuelle Fälle und untersucht die kunstgewerblichen Objekte, die im ersten Jahrzehnt nach dem Zweiten Weltkrieg in die Sammlung kamen.

Geklärte Fälle

Verfolgungsbedingt entzogene Objekte in den Sammlungen des Landesmuseums Württemberg.
Diese Veröffentlichung wird gegebenenfalls ergänzt. 


Sieben Kunstwerke, ehemals im Besitz des Kunsthändlers Siegfried Lämmle

Siegfried Lämmle (1863–1953) betrieb seit 1894 er in der München eine Kunst- und Antiquitätenhandlung, zu deren Kunden auch das Landesgewerbemuseum in Stuttgart gehörte. Im Sommer 1935 wurde er wie alle jüdischen Kunsthändler in München gezwungen, sein Geschäft aufzugeben. Lämmle musste daraufhin in den folgenden Jahren sein Warenlager auflösen. Wie Lämmle selbst später schrieb, konnte er die Kunstwerke nur noch "zu Schleuderpreisen" veräußern. Im September 1938 emigrierte er in die USA, wo sein Bruder Carl Lämmle (1867–1939) bereits seit 1884 lebte. Dort hatte dieser 1912 die Universal Picture Studios gegründet, die zum mächtigsten Filmkonzern und damit zum Begründer der Hollywood-Filmindustrie aufstieg. Das Stuttgarter Landesgewerbeamt erwarb in den Jahren 1936 und 1937 sieben kunsthandwerkliche Objekte vom 16. bis 18. Jahrhundert. Mit der Integration der Bestände des Landesgewerbeamts in den Sechziger Jahren gelangten diese Objekte ins Landesmuseum:

  • Inschriftentafel für ein Haus, 1595, Marmor. Von der Kunst- und Antiquitätenhandlung Siegfried Lämmle, München, 1936 erworben.
  • Römer, Deutsch, Mitte 17. Jhdt. Von der Kunst- und Antiquitätenhandlung Siegfried Lämmle, München, 1936 erworben.
  • Becher, um 1750, Jacob Johan Uhl, Silber, mit einer Gedenkmünze. Von der Kunst- und Antiquitätenhandlung Siegfried Lämmle, München, 1936 erworben.
  • Kanne aus Bronze, Niederrhein oder Flandern, um 1500, mit späteren Ergänzungen. Von der Kunst- und Antiquitätenhandlung Siegfried Lämmle, München, 1937 erworben.
  • Glastiegel, deutsch, 1. Hälfte 17. Jahrhundert. Von der Kunst- und Antiquitätenhandlung Siegfried Lämmle, München, 1937 erworben.
  • Flasche, Glas, deutsch (?), Ende 17. Jhdt. Von der Kunst- und Antiquitätenhandlung Siegfried Lämmle, München, 1937 erworben.
  • Krug aus Zinn, Wolf Hentz d.Ä., Salzburg um 1610. Von der Kunst- und Antiquitätenhandlung Siegfried Lämmle, 1937 erworben.

Die sieben Objekte wurden im April 2019 an die Erben restituiert.


Miniaturgruppe

Die Miniaturgruppe befindet sich seit 1996 als Leihgabe im Landesmuseum Württemberg und wurde 2006 dem Museum als Geschenk überlassen. Sie ist Teil der so genannten „Venezianischen Messe“ und daher für die Geschichte der Manufaktur in Ludwigsburg bzw. für die Landesgeschichte von Bedeutung. Auf dem Boden der Porzellangruppe ist ein altes Sammlungsetikett mit dem Aufdruck „Sammlung *H.E.B.“ aufgeklebt, welches das Stück als Teil der Sammlung Henry und Emma Budge in Hamburg ausweist. Henry Budge (1840-1928) und Emma Budge (1852-1937) sammelten vor allem Porzellan, Textilien, Kleinskulpturen sowie Kunstgewerbe des 16.-18. Jhdt.

Nach dem Tod Emma Budges 1937 war ihre Sammlung auf einer Auktion bei Paul Graupe in Berlin am 4.-6.10.1937 versteigert worden, darunter befand sich auch das „Streitende Paar“ aus Ludwigsburg. Bei der Auktion handelte es sich um einen verfolgungsbedingten Verkauf. Das Landesmuseum Württemberg hat eigeninitiativ den Anwalt der Erben nach Emma Budge kontaktiert. Im Februar 2013 konnte diese Gruppe restituiert und für das Landesmuseum zurückerworben werden.


Renaissanceuhren

Die beiden Renaissanceuhren stammen ursprünglich aus der Sammlung von Eugen Gutmann, dem Gründer der Dresdner Bank. Eugen Gutmann (1840 bis 1925) war ein bedeutender Kunstsammler. Im Laufe seines Lebens erwarb er eine Sammlung vorwiegend deutscher Gold- und Silberschmiedearbeiten der Renaissance. Nach dem Tod Eugen Gutmanns verblieb die Sammlung im Besitz der Familie; sie wurde von seinem Sohn Fritz Gutmann treuhänderisch verwaltet. Fritz Gutmann (1886 bis 1944) lebte seit 1919 in Heemstede, Niederlande. Dort befand sich auch die Sammlung Eugen Gutmann bis 1942.

Nach dem Einmarsch der Deutschen Wehrmacht in Holland im Sommer 1940 wurde Fritz Gutmann wegen seiner jüdischen Herkunft verfolgt und war gezwungen, seine Sammlung zu verkaufen. Ab 1941 bereitete er seine Flucht vor. 1942 übergab er daher seine Sammlung in Kommission den Kunsthändlern Karl Haberstock, Berlin und Julius Böhler, München. Die Sammlung wurde daraufhin nach München gebracht und dort bei Böhler deponiert. Das Ehepaar Gutmann wurde jedoch 1943 deportiert und ein Jahr später ermordet.

Nach Kriegsende wurde der größte Teil der Sammlung Eugen Gutmann an die Erben restituiert. Mehrere Objekte waren allerdings nicht mehr auffindbar. Zwei dieser fehlenden Objekte konnten nun im Landesmuseum Württemberg identifiziert werden. Bei den Uhren handelt es sich um zwei höchst qualitätvolle Tischuhren der Renaissance. Diese wurden im Juli 2012 an die Erben restituiert. Die darauf folgenden Kaufverhandlungen mit Erben des ehemaligen Eigentümers wurden erfolgreich abgeschlossen. Die zurückgekauften Uhren sind weiterhin in der Prunkuhrensammlung des Landesmuseums Württemberg ausgestellt. 


Astronomische Tischuhr

Die Tischuhr wurde am 17./18.06.1936 (Lot 187) bei Paul Graupe, Berlin, zur Auktion angeboten. Bei dieser Auktion wurde das Warenlager der jüdischen Kunsthandlung A.S. Drey, München, versteigert. Die Versteigerung fand wegen der von den Nationalsozialisten erzwungenen Schließung der Kunsthandlung und der Erhebung fingierter Steuerschulden statt. 1973 erwarb das Landesmuseum Württemberg diese Uhr von dem Uhrensammler Joseph Fremersdorf, Luzern. 

Die Tischuhr wurde im September 2012 an die Erben restituiert. Derzeitiger Standort unbekannt.


Ulmer Schwanenglas

Das Objekt wurde vom Landesmuseum Württemberg auf einer Auktion bei Hugo Helbing, Frankfurt, am 3./4.12.1935 angekauft. Das Glas war zum Schätzpreis von 1.200 RM angeboten worden und wurde für 920 RM erworben. Im Auktionskatalog wird das Schwanenglas unter der Lotnr. 279 aufgeführt; Einlieferer war Prof. Julius Lehmann (1884-1951), ein angesehener Jurist in Frankfurt. Prof. Dr. jur. Julius Lehmann hatte dieses Glas 1928 bei der Auflösung der Sammlung Hohenzollern-Sigmaringen für 4.000 RM erworben. Wegen seiner jüdischen Herkunft musste er 1933 Frankfurt verlassen und in die Schweiz emigrieren. Offensichtlich hinterließ er dieses Glas 1933 bei dem Frankfurter Auktionshaus Hugo Helbing, das es 1935 in einer Auktion anbot.

Die Erben nach Julius Lehmann konnten aufgefunden und kontaktiert werden. Zur Zeit laufen die Verhandlungen wegen eines Rückkaufes. Das Ulmer Schwanenglas befindet sich derzeit als Leihgabe des Landesmuseums Württemberg im Ulmer Museum.


Plastik "Johannes der Täufer"

Die Plastik wurde 1986 vom Landesmuseum Württemberg über den Handel erworben. Sie befand sich ursprünglich im Eigentum der Firma "Altkunst GmbH", gegründet 1917 mit Sitz in Berlin. Geschäftsführer der Firma "Altkunst GmbH" waren Jacob und Rosa Oppenheimer. Wegen ihrer jüdischen Herkunft wurde das Ehepaar bereits ab 1933 verfolgt. Sie erhielten Berufsverbot, mußten die Firma "Altkunst" schließen und das gesamte Warenlager in mehreren Auktionen in Berlin verschleudern. 1933 emigrierte das Ehepaar. Jacob Oppenheimer starb 1941 im Exil in Nizza. Rosa Oppenheimer, geborene Silberstein, wurde im französischen Lager Drancy interniert, 1943 nach Ausschwitz deportiert und im selben Jahr dort ermordet.

Die Plastik "Johannes der Täufer" wurde bei einer Versteigerung der Restbestände der Firma "Altkunst" am 30.09.1939 bei dem Auktionator Dr. Walther Achenbach in Berlin verkauft. Über mehrere Kunsthändler gelangte die Plastik spätestens 1955 in Schweizer Privatbesitz und blieb dort bis 1985. Die Erben nach Jacob und Rosa Oppenheimer bzw. deren Anwältin wurden vom Landesmuseum Württemberg kontaktiert und über den Sachstand informiert. Die Plastik wurde am 13.10.2011 an die Erben restituiert. Sie befindet sich heute im Getty Museum, Los Angeles, USA (Inventarnr. 2012/1).


Biberacher Silberpokal

Der Silberpokal stammte ursprünglich aus der Sammlung von Joseph Pinkus, Neustadt (heute Prudnik) in Oberschlesien/ heute Polen. Joseph Pinkus (1829-1909) vermachte seine umfangreiche Silbersammlung seiner Tochter Hedwig Pinkus, die 1883 den Bakteriologen und Nobelpreisträger Paul Ehrlich heiratete und mit ihm nach Frankfurt zog. Ihre Silber-sammlung deponierte sie in der Dresdner Bank in Frankfurt. 

Nach ihrer Emigration in die Schweiz 1939 wurde ihre Silbersammlung im Zuge der Zwangsabgabe von Edelmetallen für Juden von der Städtischen Darlehensanstalt in Frankfurt beschlagnahmt und verwertet. Der Pokal wurde von dem Kunsthändler Walter Hauth (Frankfurt/ Stuttgart) erworben und 1951 an das Landesmuseum Württemberg für 700 DM verkauft.

Die Erben nach Hedwig Pinkus konnten aufgefunden und kontaktiert werden. Zur Zeit laufen die Verhandlungen wegen der Belassung des Silberpokals im Landesmuseum Württemberg als Dauerleihgabe der Erben.


Akeleybecher der Metzgerzunft zu Esslingen

Der Silberbecher stammt aus dem Eigentum von Morton Bernath, der seit 1928 Besitzer der Kunst-handlung  „Antiquitätengeschäft im Prinzenbau“ in Stuttgart war. Am 1.4.1933 wurde sein Geschäft boykottiert, am nächsten Tag der Mietvertrag vom Staatsrentamt gekündigt. Bernath musste sein Geschäft im April 1933 schließen und sein Warenlager unter Wert verkaufen. Das Landesmuseum Württemberg erwarb den Silberbecher im März 1934 von Morton Bernath.


Messingdose

Die Messingdose wurde bei dem Auktionator Otto Greiner, Stuttgart, auf einer Auktion am 1.10.1936 (Lot 299) angeboten und dort vom Landesgewerbemuseum für 8 RM erworben. Einlieferin dieses Stückes war die Witwe Hedwig Neuhäuser, * 05.03.1881 in Bad Cannstatt, geborene Reis, jüdischer Herkunft. Hedwig Neuhäuser wurde am 22.8.1942 nach Theresienstadt deportiert, von dort am 16.5.1944 nach Auschwitz. Sie wurde durch Beschluss des Amtsgerichtes Stuttgart vom 21.5.1954 für tot erklärt.

Die Messingdose wurde im September 2017 an die Erben restituiert. 


Ein Stolperstein als Zeichen der Wiedergutmachung 

Das Landesmuseum hat einen Stolperstein für Hedwig Neuhäuser gestiftet. Dieser wurde am 23.11.2011 in der Rosenbergstraße 149 in Stuttgart verlegt.


Kohlenbecken

Das Kohlenbecken wurde bei dem Auktionator Otto Greiner, Stuttgart, auf einer Auktion am 1.10.1936 (Lot 300) angeboten und dort vom Landesgewerbemuseum für 10 RM erworben. Einlieferin dieses Stückes war die Witwe Hedwig Neuhäuser, * 05.03.1881 in Bad Cannstatt, geborene Reis, jüdischer Herkunft. Hedwig Neuhäuser wurde am 22.8.1942 nach Theresienstadt deportiert, von dort am 16.5.1944 nach Auschwitz. Sie wurde durch Beschluss des Amtsgerichtes Stuttgart vom 21.5.1954 für tot erklärt.

Das Kohlenbecken wurde im September 2017 an die Erben restituiert. 


Ein Stolperstein als Zeichen der Wiedergutmachung 

Das Landesmuseum hat einen Stolperstein für Hedwig Neuhäuser gestiftet. Dieser wurde am 23.11.2011 in der Rosenbergstraße 149 in Stuttgart verlegt. 


Salzbehälter

Dieses Silbergefäß wurde 1939 im Zuge der Zwangsabgabe von Edelmetallen für Juden der Städtischen Pfandleihe Stuttgart übergeben und von dieser ca. 1939 an das Landesgewerbe-museum Stuttgart verkauft oder überwiesen. 1968 wurde das Gefäß dem Württembergischen Landesmuseum übergeben.

Akten der Städtischen Pfandleihe sind nicht überliefert. Daher konnte der Einlieferer dieses Objektes nicht ermittelt werden. Aus diesem Grund ist eine Restitution zur Zeit nicht möglich.


Dukat der Reichsstadt Schwäbisch Hall

Die Münze wurde im Zuge der Zwangsabgabe von Edelmetallen für Juden der Städtischen Pfandleihe Berlin (Abteilung III – Zentralstelle aus jüdischem Besitz) 1939/1940 übergeben und von dieser 1940 an das Württembergische Landesmuseum für 25 RM verkauft.

Akten der Städtischen Pfandleihe sind nicht überliefert. Daher konnte der Einlieferer dieses Objektes nicht ermittelt werden. Aus diesem Grund ist eine Restitution zur Zeit nicht möglich.


Medaille

Die Medaille wurde im Zuge der Zwangsabgabe von Edelmetallen für Juden der Städtischen Pfandleihe Berlin (Abteilung III – Zentralstelle aus jüdischem Besitz) 1939/1940 übergeben und von dieser 1940 an das Württembergische Landesmuseum für 140 RM verkauft.

Akten der Städtischen Pfandleihe sind nicht überliefert. Daher konnte der Einlieferer dieses Objektes nicht ermittelt werden. Aus diesem Grund ist eine Restitution zur Zeit nicht möglich.


Goldene Herren-Taschenuhr

Die Uhr wurde im Zuge der Zwangsabgabe von Edelmetallen für Juden der Städtischen Pfandleihe Stuttgart übergeben und von dieser am 26.3.1941 an das Landesgewerbemuseum Stuttgart für 50 RM verkauft. 1968 wurde die Uhr dem Württembergischen Landesmuseum übergeben.

Akten der Städtischen Pfandleihe sind nicht überliefert. Daher konnte der Einlieferer dieses Objektes nicht ermittelt werden. Aus diesem Grund ist eine Restitution zur Zeit nicht möglich.


Goldene Herren-Taschenuhr

Die Uhr wurde im Zuge der Zwangsabgabe von Edelmetallen für Juden der Städtischen Pfandleihe Stuttgart übergeben und von dieser am 26.3.1941 an das Landesgewerbemuseum Stuttgart für 50 RM verkauft. 1968 wurde die Uhr dem Württembergischen Landesmuseum übergeben.

Akten der Städtischen Pfandleihe sind nicht überliefert. Daher konnte der Einlieferer dieses Objektes nicht ermittelt werden. Aus diesem Grund ist eine Restitution zur Zeit nicht möglich.


Zweitüriger Schrank

Der Schrank stammt aus dem Eigentum der Luise Schnurmann, Hechingen, jüdischer Herkunft. Er wurde durch Vermittlung der „Reichskammer der bildenden Künste“, Berlin, am 13.03.1942 an das Landesgewerbemuseum für 320 Reichsmark verkauft. Die „Reichskammer der bildenden Künste“ unterstand dem damaligen Propagandaminister Josef Goebbels. Die Witwe Luise Schnurmann, *3.3.1874 in Hechingen, geborene Löwenthal, wurde am 19.8.1942 im Alter von 67 Jahren von Hechingen nach Theresienstadt deportiert, wo sie am 12.3.1943 ermordet wurde. 1968 gelangte dieser Schrank in das Württembergische Landesmuseum. 

Luise Schnurmann verstarb erbenlos. Eine Restitution des Schrankes ist daher zur Zeit nicht möglich. Eine Abbildung ist leider nicht vorhanden.

Ihre Ansprechpartner*inForschung

Dr. Matthias Ohm

Leitung Fachabteilung
Kunst- und Kulturgeschichte

Tel: 0711 89 535 215
matthias.ohm@
landesmuseum-stuttgart.de

Malena Alderete M. A.

Provenienzforschung


Tel: 0711 89 535 228
malena.alderete@
landesmuseum-stuttgart.de

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