Sammlung Archäologie

des Landesmuseums Württemberg

Die archäologischen Sammlungen des Landesmuseums beinhalten bedeutende Funde aus 250.000 Jahren Menschheitsgeschichte. Sie zeugen von den ersten Spuren der Urmenschen genauso wie von den ältesten plastischen Kunstwerken der Menschheit, von Kelten und ihren mächtigen Fürsten, von Römern im Hinterland des Limes und frühmittelalterlichen Alamannen und Franken mit ihren ungemein reichen Grabbeigaben aus Waffen und Schmuck.

Über die gesamte menschliche Besiedlungszeit in Württemberg wird ein landesarchäologischer Bogen gespannt, der Landschaften, Klimawechsel, Entstehen und Vergehen von Bauernkulturen und frühen Zivilisationen bis zu den Anfängen der mittelalterlichen Siedlung umspannt. Darüber hinaus erlaubt das breite Spektrum der Antikensammlung einen Blick in die Welt der Hochkulturen des Mittelmeerraums von der Bronzezeit bis in die Spätantike.

Alt- und Mittelsteinzeit

250.000 bis 5.500 vor Christus

Den Schwerpunkt der Sammlung von mehreren hunderttausend Feuersteingeräten, Werkzeugen aus Knochen und Schmuck aus Elfenbein bilden Funde aus Ausgrabungen des 20. Jahrhunderts. Hinzu kommen Lesefunde von mittelsteinzeitlichen Fundplätzen aus dem Neckarland, dem Albvorland und Oberschwaben, die ehrenamtlichen Sammlern zu verdanken sind. Alt- und Mittelsteinzeit stellen jene Epochen dar, in denen der moderne Mensch und seine Vorfahren als Jäger und Sammler lebten und erstmals menschliche Spuren im Boden hinterließen.

Die ältesten Belege mit einem Alter von etwa 250.000 Jahren stammen aus den ehemaligen Travertinbrüchen in Bad Cannstatt. Lebte diese Jagdgemeinschaft aus der Zeit des Homo Erectus in einer Warmzeit, ist die Geschichte der nachfolgenden Neandertaler eng mit der letzten Eiszeit verbunden. Bedeutend für diese Epoche sind vor allem Höhlenfunde von der Schwäbischen Alb, wie aus der Großen Grotte oder der Heidenschmiede. Zu den bedeutendsten Objekten der Sammlung zählen zweifellos die Hinterlassenschaften des modernen Menschen ab etwa 40.000 Jahren vor heute. Hierzu gehören die einmaligen Elfenbeinfiguren von eiszeitlichen Tieren und das Halbrelief eines Mensch-Löwe-Mischwesens aus dem Geißenklösterle und dem Vogelherd, die beide seit 2017 auf der Welterbeliste der UNESCO stehen.

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Jungsteinzeit

5.500 bis 2.200 vor Christus

Zu den ältesten Beständen des Landesmuseums gehören Steinbeile, deren Form und Beschaffenheit bereits früh Aufmerksamkeit und Neugierde weckten. Sie wurden im 19. Jahrhundert ergänzt durch mehrere hundert Feuersteinwerkzeuge, Knochengeräte und Steinbeile, die Sammler aus den jungsteinzeitlichen Pfahlbauten an den Ufern des Bodensees zusammentrugen. Doch erst die großen Ausgrabungen in den 1920er Jahren führten zum Anwachsen der Sammlung. So wurden damals der Goldberg im Nördlinger Ries sowie die Moorsiedlungen des Federsees mit modernen Grabungsmethoden erforscht. Nach 1945 wuchs der Bestand mit der zunehmenden Bedeutung der archäologischen Denkmalpflege kontinuierlich an. Beispielhaft steht hierfür die Feuchtbodensiedlung Ehrenstein bei Ulm, die eine der Stätten des UNESCO Welterbes „Prähistorische Pfahlbauten um die Alpen“ ist.

Die Sammlung Jungsteinzeit reicht heute von kleinen verzierten Scherben als Erstnachweis jungsteinzeitlicher Siedlungen bis hin zu einer mehrere hundert Objekte umfassenden Funddokumentation aus großen Siedlungsgrabungen oder Untersuchungen von Gräberfeldern. Zeitlich umspannt sie nahezu 3.500 Jahre, von den ersten Bauern vor 7.500 Jahren bis zum Übergang von der Stein- zur Bronzezeit am Ende des 3. Jahrtausends vor Christus.

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Bronzezeit

ca. 2.200 bis 800 vor Christus

Die Bronzezeit ist einer der faszinierendsten Abschnitte der europäischen Vorgeschichte. In Folge der Herstellung und des Handels mit dem neuen, goldglänzenden Metall bildeten sich innerhalb von 1.500 Jahren von den Britischen Inseln bis nach Griechenland hierarchisch gegliederte Gesellschaften heraus. Von den Bedürfnissen und der Kunstfertigkeit der bronzezeitlichen Bevölkerung Südwestdeutschlands, von Wagenfahrern, Kriegern und Bronzegießern zeugt in der Sammlung  eine überwältigende Anzahl hervorragend gearbeiteter Waffen, Schmuck- und Gebrauchsobjekte aus Bronze, die vor allem in Grabfunden überliefert sind. Gegenstände aus weit entfernt liegenden Regionen sind Indizien eines europaweiten Güteraustausches vor 4.000 Jahren.

Die ersten bronzezeitlichen Funde wurden mit dem Depotfund von Winterlingen bereits 1609 in die herzogliche Kunstkammer aufgenommen.

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Eisenzeit

ca. 800 bis 15 vor Christus

Das Landesmuseum Württemberg besitzt mit seinen überaus reichen Funden aus der Hallstatt- (800 bis 450 v. Chr.) und Latènekultur (450 bis 15 v. Chr.) eine der bedeutendsten Sammlungen Europas. Die ältesten eisenzeitlichen Bestandteile wurden bereits im Jahr 1608 in die herzogliche Kunstkammer aufgenommen.

In Mitteleuropa entstanden ab etwa 600 vor Christus befestigte Zentralorte, in deren Umfeld sich die gesellschaftliche Elite prunkvoll unter Grabhügeln bestatten ließ. Die Entdeckung und frühe Erforschung dieses Phänomens ist eng mit dem Landesmuseum Württemberg verbunden. Mit den bedeutenden Funden von der Heuneburg, der eindrucksvollen Statue des „Kriegers von Hirschlanden“ sowie den einzigartigen Ensembles aus den „Fürstengräbern“ von Eberdingen-Hochdorf und dem Kleinaspergle bergen die Sammlungen faszinierende Zeugen einer Zeit, in der Südwestdeutschland mit der ersten Nennung der Keltoi an den „Quellen der Donau“ ins Licht der Geschichte trat. Die herausragenden Exponate zeichnen das Bild einer Gesellschaft an der Schwelle zur Hochkultur, die enge Beziehungen mit der mediterranen Welt der Etrusker und Griechen pflegte.

Im 5. Jahrhundert vor Christus veränderte sich das Kulturgefüge der Hallstattzeit in Ostfrankreich und Südwestdeutschland grundlegend. Die meisten hallstättischen Zentralorte, die sogenannten „Fürstensitze“, verloren ihre Bedeutung und wurden zwischen 450 und 400 vor Christus zerstört oder verlassen. Ab dem 3. Jahrhundert vor Christus bildete sich, wohl als Folge des Rückstroms keltischer Stämme aus Italien, ein frühstädtisches Wirtschafts- und Gesellschaftssystem mit eigenem Münzwesen heraus. Sein Kennzeichen waren großräumig angelegte, zentralörtliche Befestigungen, die Caesar „oppida“ nannte. Neben diesen existierten sowohl Einzelgehöfte und kleine Weiler als auch mit den befestigten „Viereckschanzen“ die Sitze einer ländlichen Elite. Anders als etwa in Frankreich, wo sie nach dem gallischen Krieg oft die Keimzellen gallo-römischer Stadtentwicklung bildeten, wurden die spätkeltischen Siedlungen in Süddeutschland bereits lange vor der römischen Besetzung des Landes verlassen. Zu den spektakulärsten Sammlungsobjekten aus dieser Zeit zählen der Silberring von Trichtingen sowie die hölzernen Tierfiguren aus der spätkeltischen Viereckschanze von Fellbach-Schmiden – das Werk eines einheimischen Schnitzers, der sein Handwerk meisterlich verstand.

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Römerzeit

45 bis 270 nach Christus

Obwohl Südwestdeutschland nur etwas mehr als zwei Jahrhunderte Teil des Imperium Romanum war, haben die Römer eine Fülle von Zeugnissen hinterlassen, die umfassend über das Leben am Rande des Imperiums informieren: Frühe Funde wie Militaria und importierte Keramik aus den Kastellen an der Donau, zahlreiche Objekte wie Alltagsgerät, Götterfiguren, Wandmalereien oder Steindenkmäler aus den zivilen Siedlungen und Gutshöfen sowie den Kastellen am Limes oder aber die Funde aus dem spätantiken Kastell Vemania bei Isny, darunter ein einzigartiger Schatzfund, sind beredte Zeugen für das Wirken der Römer in unseren Breiten.

Die Sammlung zu den Römern in Württemberg geht auf das Jahr 1584 zurück, als der Marbacher Präzeptor Simon Studion mehrere römische Steindenkmäler Herzog Ludwig schenkte. Damit zählt sie zu den ältesten Sammlungen römischer Hinterlassenschaften in Deutschland.

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Frühes Mittelalter

200 bis 800 nach Christus

Diese Sammlung gehört mit etwa 80.000 Objekten zu den bedeutendsten ihrer Art in Europa. In ihr ist die germanische Geschichte Südwestdeutschlands nach dem Ende der römischen Herrschaft bis in die Karolingerzeit beispielhaft abgebildet. Der Großteil des Bestands stammt von Gräberfeldern und umfasst unter anderem wertvollen Schmuck aus Frauen- und Waffen aus Männergräbern. Der Schwerpunkt liegt auf den Alamannen, die vom 3. bis 8. Jahrhundert den Bereich des heutigen Württemberg besiedelten.

Die Geschichte der Sammlung begann 1862 mit der Gründung der „Königlichen Staatssammlung Vaterländischer Kunst- und Altertumsdenkmale“, wenngleich sich auch schon in der herzöglichen Kunstkammer einige frühmittelalterliche Objekte befanden. In den darauffolgenden Jahrzehnten gelang es eine Reihe bedeutender privater Kollektionen zu erwerben. Der Großteil des heutigen Inventars stammt jedoch aus Grabungen des staatlichen Amtes für Denkmalpflege.

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Antikensammlung

2.500 vor Christus bis 700 nach Christus

Die Antikensammlung umfasst Objekte aus der Kultur der Griechen, Etrusker und Römer, die von der Bronzezeit bis in die Spätantike den Mittelmeerraum maßgeblich prägten. Von Idolen der Frühzeit über griechische Vasen, hellenistische Skulpturen, etruskische Bronzearbeiten und filigranen Goldschmuck bis hin zu römischen Kaiserbildnissen und zierlichen Mumienporträts belegen die Exponate nicht nur Blüte und Reichtum der antiken Kulturen, sondern auch ihre Kontakte untereinander und einen regen Transfer von Ideen und Vorstellungen über eine Zeit von rund 3.000 Jahren.

In ihrem Ursprung auf die herzogliche Kunstkammer zurückgehend, erfuhr die Antikensammlung im 19. und 20. Jahrhundert vor allem durch den Eingang von Privatkolektionen bedeutenden Zuwachs. So umfasst etwa die Sammlung Ernst von Sieglin mit Objekten der hellenistisch-römischen Kunst aus Ägypten internationale Spitzenstücke wie Marmorbildnisse Alexanders des Großen oder farbenprächtige Mumienporträts. Bedeutende antike Glasobjekte befinden sich in der Sammlung Ernesto Wolf, die im Tonnengewölbe des Alten Schlosses untergebracht ist.

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