ProvenienzforschungKunst und Kultur und ihre Herkunft

Seit April 2021 ist Frau Malena Alderete als Provenienzforscherin am Landesmuseum Württemberg tätig. Finanziert vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste und vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst des Landes Baden-Württemberg, bearbeitet sie zwei aktuelle Fälle und untersucht die kunstgewerblichen Objekte, die im ersten Jahrzehnt nach dem Zweiten Weltkrieg in die Sammlung kamen. Die Ergebnisse der Recherchen werden auf dieser Seite und in unserem Blog publiziert.

Mission Statement

Provenienzforschung bezogen auf NS-Raubgut und auf in kolonialem Unrechtskontext erworbene Objekte

Das Landesmuseum Württemberg ist sich als kulturhistorisches Museum seiner historischen Verantwortung bewusst und stellt sich daher auch den problematischen Aspekten seiner Vergangenheit. So befördern wir seit 2009 die Provenienzforschung, die sich insbesondere mit dem NS-verfolgungsbedingten Entzug von Objekten während der Jahre 1933 bis 1945 befasst. Als Ergebnis dieser Recherchen konnten wir bereits mehrere Kunstwerke aus unseren Sammlungen restituieren. Alle Objekte, die verfolgungsbedingt entzogen wurden und bei denen die ursprünglichen Eigentümer bislang nicht ermittelt werden konnten, sind in der Datenbank Lost Art veröffentlicht. 

Wir befassen uns auch mit Fragen nach dem kolonialen Kontext von Objekten in unserem Haus. Die Auseinandersetzung mit diesem Thema betrachten wir als einen wichtigen Teil unserer Museumsarbeit und stehen im zunehmend engen Austausch mit externen Expert*innen, dem Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst des Landes Baden-Württemberg sowie anderen Museen. Unser Ziel ist es, bei Objekten aus kolonialen Kontexten deren Geschichte und insbesondere die Erwerbsumstände zu rekonstruieren und zu dokumentieren.
 

Aufgabe der Provenienzforschung

Provenienzforschung im Bereich von NS-Raubgut in Deutschland und am Landesmuseum Württemberg

Die Provenienzforschung beschäftigt sich mit der Herkunft der Kunstwerke. Sie konzentriert sich dabei insbesondere auf die Zeit von 1933 bis 1945 und prüft, ob in dieser Zeit möglicherweise ein aus heutiger Sicht unrechtmäßiger Besitzwechsel stattgefunden hat.

Die Provenienzforschung an den Museen ist ein sehr junger Forschungszweig. Im Dezember 1998 wurden auf der „Holocaust Era Assets“ Konferenz in Washington 11 Prinzipien über den Umgang mit „Raubkunst“ verabschiedet. Die kulturellen Institutionen der unterzeichnenden Staaten, zu denen auch die Bundesrepublik Deutschland gehört, verpflichteten sich, ihre Bestände auf so genannte „Raubkunst“ hin zu überprüfen und gegebenenfalls eine „faire und gerechte Lösung“ zu finden, unabhängig von eventuellen juristischen Verjährungsfristen.

1999 bekräftigten die Bundesregierung, die Länder und die kommunalen Spitzenverbände in der Berliner Erklärung diese Forderung, die seitdem als freiwillige Selbstverpflichtung allgemein anerkannt wird. Allerdings fehlten vielen Museen die finanziellen Mittel, um diese zusätzliche Aufgabe zu leisten.

2008 wurde deshalb die „Arbeitsstelle für Provenienzforschung“ mit Sitz in Berlin eingerichtet, die am „Institut für Museumsforschung“ angesiedelt ist und vom Bund finanziert wird. Mit Hilfe der „Arbeitsstelle für Provenienzforschung“, die 2015 im Deutschen Zentrum Kulturgutverluste aufging, sowie des Landes Baden-Württemberg konnte 2009 eine Stelle für Provenienzforschung eingerichtet werden. Seit 2013 wurde diese Stelle ausschließlich mit Mitteln des Landes Baden-Württemberg finanziert. Frau Dr. Anja Heuß, die diese Stelle innehatte, arbeitete bis 2014 sowohl im Landesmuseum Württemberg als auch in der Staatsgalerie Stuttgart.

Seit April 2021 ist Frau Malena Alderete als Provenienzforscherin am Landesmuseum Württemberg tätig. Finanziert vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste und vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst des Landes Baden-Württemberg, bearbeitet sie zwei aktuelle Fälle und untersucht die kunstgewerblichen Objekte, die im ersten Jahrzehnt nach dem Zweiten Weltkrieg in die Sammlung kamen.

Projekt zu NS-Raubgut

Zur Untersuchung der Erwerbungen zwischen 1945 und 1955

Die Untersuchung umfasst vorrangig Silber- und Porzellanobjekte aus den Beständen des Landesmuseums und des Landesgewerbemuseums. Um die Herkunft zu erforschen, wird in hauseigenen Unterlagen, Archiven und Datenbanken recherchiert. Unerlässlich ist auch die Sichtung des Objekts („Objektautopsie“) nach individuellen Merkmalen. Diese sind bei kunsthandwerklichen Objekten deshalb so wichtig, weil die Gegenstände meist in Serie hergestellt wurden und zudem keine festen Werktitel haben, wie es z.B. bei Gemälden der Fall ist. Um das gesuchte Objekt also in Dokumenten zu identifizieren, sind individuelle Merkmale wie z.B. Stempel, Gravuren, Monogramme, Wappen oder Etiketten unerlässlich.

Bei den rund 280 zu untersuchenden Erwerbungen der Jahre 1945 bis 1955 wurde in 39 Fällen eine bedenkliche Provenienz festgestellt. Diese Ankäufe werden vorrangig untersucht, da es Verdachtsmomente auf einen im Nationalsozialismus verfolgungsbedingten Entzug gibt. Ein Anfangsverdacht besteht z.B. dann, wenn die Person, die damals dem Museum das Objekt verkaufte, in der Vergangenheit nachweislich mit NS-Raubgut gehandelt hat. Da aber jeder Fall individuell zu bewerten ist, bedeutet ein Anfangsverdacht bei Weitem nicht, dass ein NS-verfolgungsbedingter Entzug vorliegt oder nachgewiesen werden kann. Jede einzelne Erwerbung muss kritisch untersucht werden – mit offenem Ausgang!

Zu diesen Erwerbungen mit Verdachtsmomenten zählen z.B. mehrere Ankäufe beim Stuttgarter Auktionator sowie Kunst- und Antiquitätenhändler Otto Greiner (1888–1977), der im Nationalsozialismus nachweislich mit verfolgungsbedingt entzogenem Kulturgut handelte.

Insgesamt neun Silber- und Porzellanobjekte wurden zwischen 1945 und 1955 bei Otto Greiner erworben:

Ein Deckelpokal aus Silber (Nürnberg, 17. Jh., Höhe: ca. 55 cm, Inv.Nr. GG 4993), erworben am 21.12.1950 für 2.000 DM.

Fünf Objekte aus Ludwigsburger Porzellan, erworben auf einer Auktion Greiners vom 20.10.1950:

  • Figurengruppe „Puttenpaar“ (Ludwigsburg, um 1770, Höhe: 17,7 cm, Inv.Nr. WLM 1950-33) für 60,95 DM
  • zwei Figuren, „Weiblicher Putto mit Laute“ (Ludwigsburg, um 1770, Höhe: 8,3cm, Inv.Nr. WLM 1950-34) und „Bauernmädchen auf Blumenkorb gestützt“ (Ludwigsburg, um 1770, Höhe: 13 cm, Inv.Nr. WLM 1950-35) für insgesamt 52,90 DM
  • ein Barbierbecken (Ludwigsburg, um 1770, Höhe: 8,7cm, Breite: 25 cm, Inv.Nr. WLM 1950-36) für 42,55 DM 
  • eine Servierplatte mit Grotteskenreliefborte (Ludwigsburg, um 1770, Höhe: cm, Inv.Nr. WLM 1950-37) für 69,00 DM

Auf einer weiteren Auktion Greiners vom 30.10.1953 wurden außerdem ersteigert:

  • eine Figurengruppe aus Porzellan „Vier Jahreszeiten“ (Ludwigsburg, um 1770, Höhe: 19,1 cm, Inv.Nr. WLM 1953-22) für 345,00 DM 
  • ein Humpen „Deckelkrug mit Schlangenhenkel“ aus Silber und Elfenbein (Niederlande, 17. Jh., Montierung in Stuttgart, 18. Jh., Höhe: 15,3 cm, WLM 1953-23, für 1.138,50 DM 

Am 1.4.1955 schließlich wurde ein Silberbecher (Saulgau, um 1703, Höhe: 11,2 cm, Inv.Nr. WLM 1955-2) für 300 DM erworben. 

Barbierbecken aus weißem Porzellan mit floralen Bildern im und am Rand des Beckens.
Servierplatte aus weißem Porzellan mit floralen Verzierungen und Reliefborte.
Krug mit Fuß, Henkel und Deckel aus Silber. Korpus mit Elfenbeinschnitzerei von antik anmutenden Figuren.
Krug aus Elfenbein, darauf sind reliefartig Menschen dargestellt. Deckel, Boden und Henkel, um den sich eine Schlange wickelt, sind aus Silber.
Schwarz angelaufener Silberbecher mit stilisierter, floraler Verzierung.

Die Objektgeschichten dieser Erwerbungen konnten zum Zeitpunkt des Projektabschlusses nicht abschließend geklärt werden, da die Quellenlage lückenhaft ist. Von Otto Greiner sind beispielsweise keine Geschäftsunterlagen überliefert, die bei der Rekonstruktion seiner An- und Verkäufe hilfreich sein könnten. Sollte sich eine Erwerbung in Zukunft als NS-Raubgut erweisen, wird sie unter „Geklärte Fälle“ und auf der Datenbank Lost Art publiziert.

Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten – ein Erstcheck

Seit 1. Februar 2023 widmet sich das LMW erstmalig der Provenienzforschung zu Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten. Im Rahmen eines viermonatigen „Erstchecks“ wird eine Auswahl an Objekten untersucht – Ziel dabei ist es, erste Informationen zu den Objektgeschichten zu recherchieren und den weiteren Forschungsbedarf auf diesem Gebiet zu ermitteln. Das Projekt wird gefördert von der Stiftung Deutsches Zentrum Kulturgutverluste (DZK).


Untersuchung von Objekten aus unterschiedlichen Regionen und Epochen

Gegenstand des „Erstchecks“ sind Objekte aus unterschiedlichen Regionen (Asien, Afrika, Mittelamerika und Ozeanien) und aus einem Zeitraum von gut eineinhalb Jahrtausenden: von der Spätantike bis ins 20. Jahrhundert. Einige der Objekte sind schon seit dem 16. Jahrhundert in Württemberg nachweisbar, andere wurden erst im letzten Jahrhundert erworben. 
Die Herkunft all dieser Objekte wurde bislang nicht bzw. nicht intensiv untersucht. Im Zuge einer Erstprüfung wird festgestellt, ob sich die Verdachtsmomente auf einen kolonialen Kontext erhärten und eine umfangreichere Provenienzforschung erforderlich ist.

Ein Schwerpunkt wird die Auseinandersetzung mit Objekten aus Gebieten sein, die zwar nicht unter formaler Kolonialherrschaft, jedoch unter informellem Einfluss von Kolonialmächten standen. Kunsthandwerk aus China etwa kann in solch einen Untersuchungsbereich fallen.

Kleine Ampulle mit Reliefs geschmückt, die Auferstehung und Kreuzigung Christi darstellen.


Transparente Dokumentation

Zur aktiven Auseinandersetzung mit der kolonialen Vergangenheit gehört für das Landesmuseum Württemberg auch, Informationen zu Objekten aus kolonialen Kontexten transparent zu dokumentieren. Hierfür sollen Objektinformationen in einschlägigen Datenbanken veröffentlicht und damit auch für Herkunftsgesellschaften digital zugänglich werden.

Ihre Ansprechpartner*inProvenienzforschung

Dr. Matthias Ohm

Leitung Fachabteilung
Kunst- und Kulturgeschichte

Tel: 0711 89 535 215
matthias.ohm@
landesmuseum-stuttgart.de

Dr. Astrid Fendt

Leitung Fachabteilung
Archäologie

Tel: 0711 89 535 205
astrid.fendt@
landesmuseum-stuttgart.de

Malena Alderete M. A.

Provenienzforschung


Tel: 0711 89 535 228
malena.alderete@
landesmuseum-stuttgart.de

Sie wünschen sich detaillierte Informationen oder haben Fragen zur Provenienzforschung? Gerne stehen wir Ihnen zur Verfügung.

GeklärteFälle

Verfolgungsbedingt entzogene Objekte in den Sammlungen des Landesmuseums Württemberg. Diese Veröffentlichung wird gegebenenfalls ergänzt. 

Hier finden Sie die Fundmeldungen des Landesmuseums Württemberg in der Datenbank Lost Art.


Renaissanceuhren

Die beiden Renaissanceuhren stammen ursprünglich aus der Sammlung von Eugen Gutmann, dem Gründer der Dresdner Bank. Eugen Gutmann (1840 bis 1925) war ein bedeutender Kunstsammler. Im Laufe seines Lebens erwarb er eine Sammlung vorwiegend deutscher Gold- und Silberschmiedearbeiten der Renaissance. Nach dem Tod Eugen Gutmanns verblieb die Sammlung im Besitz der Familie; sie wurde von seinem Sohn Fritz Gutmann treuhänderisch verwaltet. Fritz Gutmann (1886 bis 1944) lebte seit 1919 in Heemstede, Niederlande. Dort befand sich auch die Sammlung Eugen Gutmann bis 1942.

Nach dem Einmarsch der Deutschen Wehrmacht in Holland im Sommer 1940 wurde Fritz Gutmann wegen seiner jüdischen Herkunft verfolgt und war gezwungen, seine Sammlung zu verkaufen. Ab 1941 bereitete er seine Flucht vor. 1942 übergab er daher seine Sammlung in Kommission den Kunsthändlern Karl Haberstock, Berlin und Julius Böhler, München. Die Sammlung wurde daraufhin nach München gebracht und dort bei Böhler deponiert. Das Ehepaar Gutmann wurde jedoch 1943 deportiert und ein Jahr später ermordet.

Nach Kriegsende wurde der größte Teil der Sammlung Eugen Gutmann an die Erben restituiert. Mehrere Objekte waren allerdings nicht mehr auffindbar. Zwei dieser fehlenden Objekte konnten nun im Landesmuseum Württemberg identifiziert werden. Bei den Uhren handelt es sich um zwei höchst qualitätvolle Tischuhren der Renaissance. Diese wurden im Juli 2012 an die Erben restituiert. Die darauf folgenden Kaufverhandlungen mit Erben des ehemaligen Eigentümers wurden erfolgreich abgeschlossen. Die zurückgekauften Uhren sind weiterhin in der Prunkuhrensammlung des Landesmuseums Württemberg ausgestellt. 


Miniaturgruppe

Die Miniaturgruppe befindet sich seit 1996 als Leihgabe im Landesmuseum Württemberg und wurde 2006 dem Museum als Geschenk überlassen. Sie ist Teil der so genannten „Venezianischen Messe“ und daher für die Geschichte der Manufaktur in Ludwigsburg bzw. für die Landesgeschichte von Bedeutung. Auf dem Boden der Porzellangruppe ist ein altes Sammlungsetikett mit dem Aufdruck „Sammlung *H.E.B.“ aufgeklebt, welches das Stück als Teil der Sammlung Henry und Emma Budge in Hamburg ausweist. Henry Budge (1840-1928) und Emma Budge (1852-1937) sammelten vor allem Porzellan, Textilien, Kleinskulpturen sowie Kunstgewerbe des 16.-18. Jhdt.

Nach dem Tod Emma Budges 1937 war ihre Sammlung auf einer Auktion bei Paul Graupe in Berlin am 4.-6.10.1937 versteigert worden, darunter befand sich auch das „Streitende Paar“ aus Ludwigsburg. Bei der Auktion handelte es sich um einen verfolgungsbedingten Verkauf. Das Landesmuseum Württemberg hat eigeninitiativ den Anwalt der Erben nach Emma Budge kontaktiert. Im Februar 2013 konnte diese Gruppe restituiert und für das Landesmuseum zurückerworben werden.


Sieben Kunstwerke, ehemals im Besitz des Kunsthändlers Siegfried Lämmle

Siegfried Lämmle (1863–1953) betrieb seit 1894 er in der München eine Kunst- und Antiquitätenhandlung, zu deren Kunden auch das Landesgewerbemuseum in Stuttgart gehörte. Im Sommer 1935 wurde er wie alle jüdischen Kunsthändler in München gezwungen, sein Geschäft aufzugeben. Lämmle musste daraufhin in den folgenden Jahren sein Warenlager auflösen. Wie Lämmle selbst später schrieb, konnte er die Kunstwerke nur noch "zu Schleuderpreisen" veräußern. Im September 1938 emigrierte er in die USA, wo sein Bruder Carl Lämmle (1867–1939) bereits seit 1884 lebte. Dort hatte dieser 1912 die Universal Picture Studios gegründet, die zum mächtigsten Filmkonzern und damit zum Begründer der Hollywood-Filmindustrie aufstieg. Das Stuttgarter Landesgewerbeamt erwarb in den Jahren 1936 und 1937 sieben kunsthandwerkliche Objekte vom 16. bis 18. Jahrhundert. Mit der Integration der Bestände des Landesgewerbeamts in den Sechziger Jahren gelangten diese Objekte ins Landesmuseum:

  • Inschriftentafel für ein Haus, 1595, Marmor. Von der Kunst- und Antiquitätenhandlung Siegfried Lämmle, München, 1936 erworben.
  • Römer, Deutsch, Mitte 17. Jhdt. Von der Kunst- und Antiquitätenhandlung Siegfried Lämmle, München, 1936 erworben.
  • Becher, um 1750, Jacob Johan Uhl, Silber, mit einer Gedenkmünze. Von der Kunst- und Antiquitätenhandlung Siegfried Lämmle, München, 1936 erworben.
  • Kanne aus Bronze, Niederrhein oder Flandern, um 1500, mit späteren Ergänzungen. Von der Kunst- und Antiquitätenhandlung Siegfried Lämmle, München, 1937 erworben.
  • Glastiegel, deutsch, 1. Hälfte 17. Jahrhundert. Von der Kunst- und Antiquitätenhandlung Siegfried Lämmle, München, 1937 erworben.
  • Flasche, Glas, deutsch (?), Ende 17. Jhdt. Von der Kunst- und Antiquitätenhandlung Siegfried Lämmle, München, 1937 erworben.
  • Krug aus Zinn, Wolf Hentz d.Ä., Salzburg um 1610. Von der Kunst- und Antiquitätenhandlung Siegfried Lämmle, 1937 erworben.

Die sieben Objekte wurden im April 2019 an die Erben restituiert.

Weitere geklärte Fälle

Astronomische Tischuhr

Die Tischuhr wurde am 17./18.06.1936 (Lot 187) bei Paul Graupe, Berlin, zur Auktion angeboten. Bei dieser Auktion wurde das Warenlager der jüdischen Kunsthandlung A.S. Drey, München, versteigert. Die Versteigerung fand wegen der von den Nationalsozialisten erzwungenen Schließung der Kunsthandlung und der Erhebung fingierter Steuerschulden statt. 1973 erwarb das Landesmuseum Württemberg diese Uhr von dem Uhrensammler Joseph Fremersdorf, Luzern. 

Die Tischuhr wurde im September 2012 an die Erben restituiert. Derzeitiger Standort unbekannt.


Ulmer Schwanenglas

Das Objekt wurde vom Landesmuseum Württemberg auf einer Auktion bei Hugo Helbing, Frankfurt, am 3./4.12.1935 angekauft. Das Glas war zum Schätzpreis von 1.200 RM angeboten worden und wurde für 920 RM erworben. Im Auktionskatalog wird das Schwanenglas unter der Lotnr. 279 aufgeführt; Einlieferer war Prof. Julius Lehmann (1884-1951), ein angesehener Jurist in Frankfurt. Prof. Dr. jur. Julius Lehmann hatte dieses Glas 1928 bei der Auflösung der Sammlung Hohenzollern-Sigmaringen für 4.000 RM erworben. Wegen seiner jüdischen Herkunft musste er 1933 Frankfurt verlassen und in die Schweiz emigrieren. Offensichtlich hinterließ er dieses Glas 1933 bei dem Frankfurter Auktionshaus Hugo Helbing, das es 1935 in einer Auktion anbot.

Die Erben nach Julius Lehmann konnten aufgefunden und kontaktiert werden. Zur Zeit laufen die Verhandlungen wegen eines Rückkaufes. Das Ulmer Schwanenglas befindet sich derzeit als Leihgabe des Landesmuseums Württemberg im Ulmer Museum.


Plastik "Johannes der Täufer"

Die Plastik wurde 1986 vom Landesmuseum Württemberg über den Handel erworben. Sie befand sich ursprünglich im Eigentum der Firma "Altkunst GmbH", gegründet 1917 mit Sitz in Berlin. Geschäftsführer der Firma "Altkunst GmbH" waren Jacob und Rosa Oppenheimer. Wegen ihrer jüdischen Herkunft wurde das Ehepaar bereits ab 1933 verfolgt. Sie erhielten Berufsverbot, mußten die Firma "Altkunst" schließen und das gesamte Warenlager in mehreren Auktionen in Berlin verschleudern. 1933 emigrierte das Ehepaar. Jacob Oppenheimer starb 1941 im Exil in Nizza. Rosa Oppenheimer, geborene Silberstein, wurde im französischen Lager Drancy interniert, 1943 nach Ausschwitz deportiert und im selben Jahr dort ermordet.

Die Plastik "Johannes der Täufer" wurde bei einer Versteigerung der Restbestände der Firma "Altkunst" am 30.09.1939 bei dem Auktionator Dr. Walther Achenbach in Berlin verkauft. Über mehrere Kunsthändler gelangte die Plastik spätestens 1955 in Schweizer Privatbesitz und blieb dort bis 1985. Die Erben nach Jacob und Rosa Oppenheimer bzw. deren Anwältin wurden vom Landesmuseum Württemberg kontaktiert und über den Sachstand informiert. Die Plastik wurde am 13.10.2011 an die Erben restituiert. Sie befindet sich heute im Getty Museum, Los Angeles, USA (Inventarnr. 2012/1).


Biberacher Silberpokal

Der Silberpokal stammte ursprünglich aus der Sammlung von Joseph Pinkus, Neustadt (heute Prudnik) in Oberschlesien/ heute Polen. Joseph Pinkus (1829-1909) vermachte seine umfangreiche Silbersammlung seiner Tochter Hedwig Pinkus, die 1883 den Bakteriologen und Nobelpreisträger Paul Ehrlich heiratete und mit ihm nach Frankfurt zog. Ihre Silber-sammlung deponierte sie in der Dresdner Bank in Frankfurt. 

Nach ihrer Emigration in die Schweiz 1939 wurde ihre Silbersammlung im Zuge der Zwangsabgabe von Edelmetallen für Juden von der Städtischen Darlehensanstalt in Frankfurt beschlagnahmt und verwertet. Der Pokal wurde von dem Kunsthändler Walter Hauth (Frankfurt/ Stuttgart) erworben und 1951 an das Landesmuseum Württemberg für 700 DM verkauft.

Die Erben nach Hedwig Pinkus konnten aufgefunden und kontaktiert werden. Zur Zeit laufen die Verhandlungen wegen der Belassung des Silberpokals im Landesmuseum Württemberg als Dauerleihgabe der Erben.


Akeleybecher der Metzgerzunft zu Esslingen

Der Silberbecher stammt aus dem Eigentum von Morton Bernath, der seit 1928 Besitzer der Kunst-handlung  „Antiquitätengeschäft im Prinzenbau“ in Stuttgart war. Am 1.4.1933 wurde sein Geschäft boykottiert, am nächsten Tag der Mietvertrag vom Staatsrentamt gekündigt. Bernath musste sein Geschäft im April 1933 schließen und sein Warenlager unter Wert verkaufen. Das Landesmuseum Württemberg erwarb den Silberbecher im März 1934 von Morton Bernath.


Messingdose

Die Messingdose wurde bei dem Auktionator Otto Greiner, Stuttgart, auf einer Auktion am 1.10.1936 (Lot 299) angeboten und dort vom Landesgewerbemuseum für 8 RM erworben. Einlieferin dieses Stückes war die Witwe Hedwig Neuhäuser, * 05.03.1881 in Bad Cannstatt, geborene Reis, jüdischer Herkunft. Hedwig Neuhäuser wurde am 22.8.1942 nach Theresienstadt deportiert, von dort am 16.5.1944 nach Auschwitz. Sie wurde durch Beschluss des Amtsgerichtes Stuttgart vom 21.5.1954 für tot erklärt.

Die Messingdose wurde im September 2017 an die Erben restituiert. 


Ein Stolperstein als Zeichen der Wiedergutmachung 

Das Landesmuseum hat einen Stolperstein für Hedwig Neuhäuser gestiftet. Dieser wurde am 23.11.2011 in der Rosenbergstraße 149 in Stuttgart verlegt.


Kohlenbecken

Das Kohlenbecken wurde bei dem Auktionator Otto Greiner, Stuttgart, auf einer Auktion am 1.10.1936 (Lot 300) angeboten und dort vom Landesgewerbemuseum für 10 RM erworben. Einlieferin dieses Stückes war die Witwe Hedwig Neuhäuser, * 05.03.1881 in Bad Cannstatt, geborene Reis, jüdischer Herkunft. Hedwig Neuhäuser wurde am 22.8.1942 nach Theresienstadt deportiert, von dort am 16.5.1944 nach Auschwitz. Sie wurde durch Beschluss des Amtsgerichtes Stuttgart vom 21.5.1954 für tot erklärt.

Das Kohlenbecken wurde im September 2017 an die Erben restituiert. 


Ein Stolperstein als Zeichen der Wiedergutmachung 

Das Landesmuseum hat einen Stolperstein für Hedwig Neuhäuser gestiftet. Dieser wurde am 23.11.2011 in der Rosenbergstraße 149 in Stuttgart verlegt. 


Salzbehälter

Dieses Silbergefäß wurde 1939 im Zuge der Zwangsabgabe von Edelmetallen für Juden der Städtischen Pfandleihe Stuttgart übergeben und von dieser ca. 1939 an das Landesgewerbe-museum Stuttgart verkauft oder überwiesen. 1968 wurde das Gefäß dem Württembergischen Landesmuseum übergeben.

Akten der Städtischen Pfandleihe sind nicht überliefert. Daher konnte der Einlieferer dieses Objektes nicht ermittelt werden. Aus diesem Grund ist eine Restitution zur Zeit nicht möglich.


Dukat der Reichsstadt Schwäbisch Hall

Die Münze wurde im Zuge der Zwangsabgabe von Edelmetallen für Juden der Städtischen Pfandleihe Berlin (Abteilung III – Zentralstelle aus jüdischem Besitz) 1939/1940 übergeben und von dieser 1940 an das Württembergische Landesmuseum für 25 RM verkauft.

Akten der Städtischen Pfandleihe sind nicht überliefert. Daher konnte der Einlieferer dieses Objektes nicht ermittelt werden. Aus diesem Grund ist eine Restitution zur Zeit nicht möglich.


Medaille

Die Medaille wurde im Zuge der Zwangsabgabe von Edelmetallen für Juden der Städtischen Pfandleihe Berlin (Abteilung III – Zentralstelle aus jüdischem Besitz) 1939/1940 übergeben und von dieser 1940 an das Württembergische Landesmuseum für 140 RM verkauft.

Akten der Städtischen Pfandleihe sind nicht überliefert. Daher konnte der Einlieferer dieses Objektes nicht ermittelt werden. Aus diesem Grund ist eine Restitution zur Zeit nicht möglich.


Goldene Herren-Taschenuhr

Die Uhr wurde im Zuge der Zwangsabgabe von Edelmetallen für Juden der Städtischen Pfandleihe Stuttgart übergeben und von dieser am 26.3.1941 an das Landesgewerbemuseum Stuttgart für 50 RM verkauft. 1968 wurde die Uhr dem Württembergischen Landesmuseum übergeben.

Akten der Städtischen Pfandleihe sind nicht überliefert. Daher konnte der Einlieferer dieses Objektes nicht ermittelt werden. Aus diesem Grund ist eine Restitution zur Zeit nicht möglich.


Goldene Herren-Taschenuhr

Die Uhr wurde im Zuge der Zwangsabgabe von Edelmetallen für Juden der Städtischen Pfandleihe Stuttgart übergeben und von dieser am 26.3.1941 an das Landesgewerbemuseum Stuttgart für 50 RM verkauft. 1968 wurde die Uhr dem Württembergischen Landesmuseum übergeben.

Akten der Städtischen Pfandleihe sind nicht überliefert. Daher konnte der Einlieferer dieses Objektes nicht ermittelt werden. Aus diesem Grund ist eine Restitution zur Zeit nicht möglich.


Zweitüriger Schrank

Der Schrank stammt aus dem Eigentum der Luise Schnurmann, Hechingen, jüdischer Herkunft. Er wurde durch Vermittlung der „Reichskammer der bildenden Künste“, Berlin, am 13.03.1942 an das Landesgewerbemuseum für 320 Reichsmark verkauft. Die „Reichskammer der bildenden Künste“ unterstand dem damaligen Propagandaminister Josef Goebbels. Die Witwe Luise Schnurmann, *3.3.1874 in Hechingen, geborene Löwenthal, wurde am 19.8.1942 im Alter von 67 Jahren von Hechingen nach Theresienstadt deportiert, wo sie am 12.3.1943 ermordet wurde. 1968 gelangte dieser Schrank in das Württembergische Landesmuseum. 

Luise Schnurmann verstarb erbenlos. Eine Restitution des Schrankes ist daher zur Zeit nicht möglich. Eine Abbildung ist leider nicht vorhanden.

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